thumbs : Die deutsche Hausindustrie

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VIII.  Kap.:  Hilfe  von  außenftehenden  Kreifen

Anzahl  folcher  Ver|uche  finden  fich  z.  B.  im  Eifenacher  Oberland.  Zur  Erlernung ­
  feinerer  Waren  fandte  die  weimarifche  Regierung  Arbeiter  in  eine
Korbwarenfabrik,  um  dann  belehrend  auf  die  Arbeiter  in  der  Heimat  zu  wirken.
Zugleich  wurde  die  Anpflanzung  von  Korbweiden  in  der  Nähe  der  Arbeitsftätten
behördlich  gefördert.  Im  Städtchen  Oftheim  wurde  faft  ganz  auf  Koften
der  Großherzogin  von  Sachfen  1884  eine  Lehrwerkftätte  für  die  dortigen
Plüfchweber  eingerichtet  und  das  Lehrlingswefen  einer  „Kommiffion  zur
Hebung  der  Weberei“  anvertraut.  Die  gefchäftliche  Leitung  lag  in  den  Händen
eines  Elberfelder  Fabrikanten.  Doch  war  die  Mühe  vergebens.  Nach  anfänglicher ­
  Blüte—  1887  und  1888  wurden  fogar  Filialen  der  Werkftätte  in  der  ganzen
Umgegend  errichtet  —  ging  feit  den  90er  Jahren  die  Plüfchweberei  immer  mehr
zurück.  Auch  die  Lehrwerkftätte  konnte  nicht  mehr  helfen  und  ging  1902
ein.  *)  Schließlich  findet  fich  in  dem  kleinen  Rhönbezirk  noch  eine  ftaatlich
  geförderte  Zeichen-,  Modellier-  und  Holzfchnitzfchule.  Der  Leitei  erteilt
koftenlofen  Unterricht  und  hat  auch  die  Werkftätten  der  Schnitzer  zu  befuchr
  n,  um  ihnen  an  die  Hand  gehen  zu  können.  Auch  hier  fendet  die  Regierung ­
  begabte  junge  Leute  zur  Ausbildung  ins  Ausland.  Der  Vertrieb  der
gefchnitzten  Waren  wird  von  der  Schulkommiffion  beforgt.
Andtre  Fachfchulen  find  verbunden  mit  Ausftellungshallen  für  die  Erzeugniffe
  der  Hausinduftrie,  fo  zu  Berchtesgaden  für  Holzbearbeitung,  oder  fie
veranftalten,  wie  die  Oberammergäuer  Schnitzfchule,  alljährlich  Ausheilungen.
Eine  Gewerbehalle  zur  Ausftellung  und  zum  Verkauf  der  Erzeugniffe  befitzt
neben  einer  Lehrwerkftätte  für  Elfenbeinfchnitzerei  Erbach  im  Odenwald.  Die
dem  polytechnifchen  Zentralverein  zu  Würzburg  gehörende  HoIzfchnitzfchuL
Bifchofsheim  bahnt  den  Weg  zum  Kunftgewerbe.
Zu  denälteften  Fachfchulen  gehört  wohl  die  Geigenmacherfchule  von  1858
zu  Mittenwald  in  Oberbayern.  Großen  Einfluß  auf  die  gewerbliche  Entwicklung ­
  des  Schwarzwaldes  hatte  die  1850  durch  die  Regierung  begründete,  1878
neu  errichtete  Uhrmacherfchule  zu  Furtwangen,  die  eine  Reihe  von  Jahren
Mittelpunkt  der  gefamten  Hausinduftrie  war.  Freilich  vermochte  fie  den  Übergang ­
  der  Hausinduftriellen  zu  Außenarbeitern  der  Fabriken  nicht  zu  hindern.
Dagegen  wurde  gelegentlich  der  Darftellung  der  Eifler  Genoffenfchaften
bereits  erwähnt,  wie  fegensreich  dort  die  Lehrkurfe  in  der  Drahtinduftrie
wirkten.
So  finden  fich  faft  in  allen  Hausinduftrien  —  außer  den  erwähnten  z.  B.
noch  in  der  Spielwaren-,  felbft  der  Webinduftrie  —  Verfuche,  dem  Nachwuchs
eine  gute,  womöglich  beffere  Schulung  zu  geben.  Berechtigung  und  Zweck

l )  K  u  1  I  m  a  n  n  bei  Arndt,  Die  Heimarbeit  !I  183.
            
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