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Will man also Unregelmäßigkeiten im Ausdruck für die Sterblich-
keit beseitigen, dann gilt es, das Material in viele Gruppen
nach dem Alter zu teilen, die Temperaturverhältnisse zu be-
rücksichtigen usw. Auch die meteorologischen Verhältnisse der
anderen Jahreszeiten können einen Einfluß ausüben. Im Frühjahr
wirkt z. B. eine größere Kälte auf die älteren Altersklassen ein, und
wenn man so genau wie möglich alle solche Phänomene berücksich-
tigt, wird die Aussicht, Regelmäßigkeit in den Zahlen zu erhalten,
größer. Hier liegt in Wirklichkeit der Kern jeder statistischen
"Untersuchung. Jede Unebenheit gibt zu neuer Behandlung des Ma-
terials Veranlassung; trotz der Unebenheit werden gewisse Verhält-
nisse da sein, welche sich konstant verhalten, so z. B. die Verteilung
zwischen beiden Geschlechtern. Andere Verhältnisse aber werden
Jurch ihre Unregelmäßigkeit auf besondere Ursachen hinweisen, die
es dann weiter zu verfolgen gilt.
75. Häufig wird man erfahren, daß eine scheinbare Regelmäßig-
veit tatsächlich die Wirkung vieler gleichzeitiger und gegeneinander
wirkender Ursachen ist. In Dänemark war von 1896—1905 die
Selbstmordfrequenz sowohl für unverheiratete wie verheiratete Männer
33 pro 100000. Aber teilt man nach Altersklassen, So findet man
überall die größte Selbstmordfrequenz unter den Unverheirateten.
Die scheinbare Übereinstimmung war also nur ein Resultat der
ungleichen Altersgruppierung, da die Unverheirateten durchweg
jünger sind und daher anscheinend eine verhältnismäßig geringere
Selbstmordfrequenz erhalten, als der Fall sein würde, wenn sie die-
selbe Altersgruppierung wie die Verheirateten hätten. Daher ist
auch die Selbstmordfrequenz unter Witwern, welche durchschnittlich
verhältnismäßig alt sind, im Vergleich mit Ehemännern größer als
in dem Falle, wo man die Altersgruppierung berücksichtigen könnte.
Um ein anderes Beispiel zu nehmen, kann man für England,
für Stadt und Land, die Sterblichkeit an allen Ursachen über-
haupt vergleichen. Einst war lange Zeit hindurch die Sterblichkeit
sowohl in den Städten wie in den Landgemeinden ständig abnehmend,
während sich die Sterblichkeit der gesamten Bevölkerung konstant
verhielt. Die Ursache war die, daß die Stadtbevölkerung mit der
größten Sterblichkeit am meisten gewachsen War. Zwei Ursachen
hatten sich also gegenseitig aufgehoben: die hygienischen Fortschritte
einerseits und die Veränderung der Verteilung zwischen Stadt und
Land andererseits. In unseren Tagen ist die Bevölkerung ständig
yzroßen Bewegungen unterworfen; desto notwendiger muß es daher