Full text: Grundzüge der Theorie der Statistik

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Grauntschen Problemen befaßte und die Forschungsresultate Graunts 
ohne Nachprüfung direkt ausnutzte. Starke Einbildungskraft kenn- 
zeichnet seine Schriften. Seine Untersuchung über die Einwohner- 
zahl Londons?) ist eines der vielen Beispiele hierfür: Zuerst sucht 
er die Zahl der Häuser Londons festzustellen. Die große Feuers- 
brunst im Jahre 1666 legte 13200 Häuser in Asche; auf der rela- 
tiven Anzahl von Todesfällen dieses zerstörten Stadtteils fußend, 
gelangt Petty zu dem Resultat, daß die 13200 ein Fünftel sämtlicher 
Häuser Londons ausmachten. Demnach solle es im Jahre 1666 in 
London 66000 Häuser geben; und da nun die Anzahl der Sterbefälle 
von 1666—1686 im Verhältnis 4:3 gewachsen sei, ergebe sich, unter 
der Voraussetzung eines entsprechenden Zuwachses, eine Häuserzahl 
von etwa 88000. Beim Studium der Karte Londons gelangt Petty 
zu einem ähnlichen Resultat, indem danach im Jahre 1682 etwa 
84000 Häuser vorhanden sein sollten. Da nun seiner Meinung nach 
die Einwohnerzahl Londons sich im Laufe von 40 Jahren verdoppeln 
müsse, veranschlagt er den Zuwachs im Laufe von 4 Jahren auf 
10 Proz., um demnach für das Jahr 1686 zu einer Häuserzahl von 
92400 zu gelangen. Eine rationellere Berechnung auf Grundlage der 
Hypothese über die Verdoppelung während der 40 Jahre hätte übrigens 
die Zahl etwas verkleinert, so daß er damit seiner ersten Schätzung 
näher gekommen wäre. Seine Veranschlagung der Einwohnerzahl 
fußt jedoch nicht auf diesen Berechnungen. Er stellt für Dublins 
6400 Häuser 29325 Feuerstellen fest, und den 388000 Feuerstellen 
Londons würden — nach einer nicht ganz genauen Berechnung — 
demnach 87000 Häuser entsprechen. Ähnliche Berechnungen mit 
Bristol würden 123000 ergeben, und Petty ist jetzt mit der Mittel- 
zahl von 105000, die den Mitteilungen des Hearth Office genau ent- 
spricht, zufrieden. Rechnet man nun durchschnittlich auf jede Fa- 
milie 6 Personen, 10 Proz. der Häuser zu 2 Familien, den Rest 
zu 1 Familie, dann wäre die gesamte Einwohnerzahl etwa 695000. 
Fast ein gleiches Resultat erhält man, wenn man die Sterblichkeit 
in einem Normaljahre zu !/s ansetzt und die durchschnittliche An- 
zahl von Sterbefällen, nämlich von 1684—1685 23212, als Ausgangs- 
punkt nimmt; hierbei ergibt sich die Zahl 696 360. Schließlich setzt 
Petty voraus, daß ein Fünftel der Bevölkerung in Pestjahren drauf- 
gehe. Da im Jahre 1665 etwa 98000 an der Pest starben, müsse 
die damalige Einwohnerzahl 490000 und 20 Jahre später vermutlich 
ein Drittel mehr, also 653000 sein. Solche Berechnungen enthalten 
Five essays in Political Arithmetic (1687), siehe Hull a. a. O. S. 533{.
	        
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