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den Begriff des „moralischen Vermögens“ aufstellt. Nach dieser
Formel solle sich der Grenznutzen des Vermögens x als Se wo k
ein Konstante ist, wiedergeben lassen. Diese Formel drückt aller-
dings den Hauptsatz aus, daß die Funktion u(x) mit wachsendem x
abnimmt; aller Wahrscheinlichkeit nach aber würde man — be-
sonders bei kleinen Vermögen — einen anderen Verlauf, ein weit
schnelleres Abnehmen, als hier vorausgesetzt, erzielen. Handelt es
sich um einzelne Waren oder Warengruppen, dann werden sich gewisse
Sätze aus dem allgemeinen Charakter der Kurve ableiten lassen, wo-
durch man einen Einblick in den Mechanismus des Handelsumsatzes
bekommen kann; hätte man einen zuverlässigen Ausdruck für das
„moralische Vermögen“, so würde man bedeutungsvolle Resultate,
z. B. hinsichtlich der Steuerlast, gewinnen können; eine rationelle
Steuerprogression würde sich ebenfalls festlegen lassen, wenn man
lavon ausginge, daß jeder Steuerzahler den gleichen Steuerdruck
Fühlte.
Solche Kurven werden indes — wie viele Frequenzverteilungen —
schwerlich eine typisch feststehende Form beibehalten, sondern aller-
aand Veränderungen unterworfen sein können. Der Grenznutzen
eines Lebensbedürfnisses ist faktisch vom Grenznutzen aller anderen
zugänglichen Waren abhängig, und die Nachfrage wird sich nach
der Gliederung der betreffenden Gesellschaft richten; kommt eine
neue Gesellschaftsklasse unter den ewig wechselnden Bewegungen
im Leben und Treiben einer Bevölkerung hinzu, dann gestaltet sich
zleich die Nachfrage anders; neue Waren werden ständig auftauchen
ınd die Nachfrage beeinflussen, usw.
276. Auch kann davon die Rede sein, stets wachsende
Kurven durch eine Formel darzustellen suchen, so z. B. wenn man
die Arbeitsanstrengung als Funktion der Arbeitszeit untersucht.
Sieht man vom Einfluß der täglichen Arbeitspausen und ebenfalls
von dem Umstand ab, daß die Arbeitsanstrengung im allerersten
Teil des Arbeitstages vielleicht abnimmt, dann wird die Kurve eine
mit der Arbeitszeit ständig wachsende Größe zeigen, die schließ-
lich unendlich groß wird. Auch hier hat die Phantasie erheblichen
Spielraum, bis die Psychophysik hinlänglich umfangreiche Beobach-
tungen beschafft.
Als zweites Beispiel des Verlaufes einer stets wachsenden
Kurve möge die Art und Weise erwähnt sein, in der die Pro-
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