425
280. Die Trennung der sekularen und periodischen Bewegungen
ist nun allerdings eine Aufgabe, .die in manchen Fällen als
äußerst schwierig und bis auf weiteres in einigen Fällen vielleicht
als ganz unlösbar angesehen werden muß. Will man jedoch ver-
suchen, den hinter den Phänomenen wirkenden Ursachen auf die Spur
zu kommen, dann ist es andererseits notwendig, entscheiden zu
können, ob eine vorliegende Beobachtung von einer gegebenen Größe
als größer oder kleiner als der Wert (möglicherweise nicht wesentlich
verschieden von diesem) anzusprechen ist, den man auf Grund der
Kenntnis, die man sich im übrigen vom betrachteten Phänomen ver-
schaffen kann, als „normal“ bezeichnen muß. Und dies setzt ferner
voraus, daß man eine jedenfalls annähernd richtige Unterscheidung
dieser beiden Bewegungen vornehmen kann.
Es liegt hier nahe, wie bereits so oft getan !), eine Beschreibung
der ganzen Bewegung mittels einer zweckmäßig gewählten Formel,
die sich teilweise aus periodischen (trigonometrischen) Funktionen
aufbaut, zu versuchen; man muß sich jedoch im voraus klar darüber
sein, daß die zu diesem Zwecke aufgestellten Formeln ebenso wenig
wie die oben erwähnten „statistischen Gesetze“ als typisch und auch
in Zukunft nicht als feststehend betrachtet werden können; höchstens
gann von einer bequemen Umschreibung, also von irgend einer —
möglicherweise ausgeglichenen — Interpolationsformel die Rede sein.
In vielen Fällen wird es indes nicht bloß leichter, sondern im großen
zanzen besser sein, von jeglicher Ausgleichungstheorie abzusehen
und ohne Anwendung von Formeln den numerischen Ausdruck für
lie verschiedenen Zeitpunkten entsprechenden Durchschnittswerte
Normalen) zu benutzen, die sich oft unmittelbar aus den Beobach-
‚ungen berechnen lassen. Diese Methode ist allerdings nicht ohne
eine gewisse Willkür; sie verlangt jedoch nicht, daß man die Be-
rechnungen der hierbei verwendeten beweglichen Durchschnitte auf
Beobachtungen aus einer langen Zeitspanne gründet, wie es in der
Regel bei der Bestimmung der Konstanten einer Formel durch Aus-
zleichung der Fall ist, welche Ausgleichung auch zu wiederholen ist,
wenn man zu der vorliegenden Reihe von Beobachtungen neue, z. B.
für eine anschließende Zeitspanne, fügt.
281. In dem oben benutzten Beispiel über die periodischen
Bewegungen des amerikanischen Preisniveaus kann man im Einklang
') Vgl. z. B. H. L. Moore, Economic cvcles. their law and causes, New
York 1914