Full text: Grundzüge der Theorie der Statistik

a a 
4188 
der die Höhe des Überschusses bestimmenden Ein- und Aus- 
wanderung festzustellen. Bisher ist diese wichtige Frage nur in ge- 
ringerem Grade zum Gegenstand für tiefergehendere Untersuchungen 
gemacht worden; und dies gilt ebenfalls der Frage der Verschiebungen 
zwischen den Gesellschaftsklassen. Der Auftrieb von den niederen 
Gesellschaftsklassen und der Gegensatz dazu, die Abwärtsbewegung, 
sind zwei Faktoren von ungemein großer soziologischer Bedeutung !). 
320. Die Frage des Einflusses der Wanderungen auf die Be- 
stimmung der Größe der Sterblichkeit reicht indes noch weiter. 
Dies hängt damit zusammen (vgl. $ 283), daß man mittels einer ein- 
fachen Wortveränderung die in dem Vorhergehenden be- 
handelten Probleme auf eine ganze Reihe anderer Aufgaben übertragen 
kann. 
Der Anschaulichkeit halber können wir uns zu Anfang den ein- 
{achen Fall denken, daß man den männlichen und bisher unver- 
heirateten Teil der Bevölkerung eines Landes, über dessen Grenzen 
keine Wanderungen stattfinden, beobachtet. Diese Bevölkerungs- 
gruppe verkleinert sich also nur durch Sterbefälle und Eheschießungen, 
während eine Vergrößerung lediglich durch Geburten erfolgt. Der 
Abgang durch Ehe und Tod zehrt nun mit höchst verschiedener 
Stärke auf den verschiedenen Altersstufen am Junggesellenbestande, 
und man kann analog dem $& 297, wo nur Abgang durch Tod be- 
rücksichtigt wurde, auch hier sich die entsprechende Aufgabe stellen 
zu untersuchen, welche Altersgliederung die Junggesellen aufweisen 
würden, falls sich die auf den verschiedenen Altersstufen herrschende 
Sterblichkeits- und Eheschließungsintensität in der Bevölkerungsgruppe 
hinlänglich lange unverändert hielte und die Wirkung dieser Ur- 
sachen weder durch Schwankungen in der Geburtenmenge noch durch 
Wanderungen gestört würde. Diese Aufgabe wird, wie es aus dem oben 
Entwickelten hervorgeht, ganz einfach dadurch gelöst, daß man eine 
Überlebenskurve L,(x) für die betrachtete Bevölkerungsgruppe be- 
rechnet, jedoch nur so, daß jetzt kein Unterschied zwischen Abgang 
durch Tod und Trauung gemacht wird. Da wir vorausgesetzt 
haben, daß keine Wanderungen stattfinden, so geht aus den in den 
S$8 310—312 dargestellten Methoden hervor. in welcher Form die 
1) Vgl. H. Westergaard, On the study of displacements within a popu- 
Jation, Quart. Public. of the American Statistical Association, Vol. X1X, Boston 
1920, S. 381, und Modern problems in vital statisties, Biometrika, Vol. XVII, 
London 1925. S, 355.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.