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der die Höhe des Überschusses bestimmenden Ein- und Aus-
wanderung festzustellen. Bisher ist diese wichtige Frage nur in ge-
ringerem Grade zum Gegenstand für tiefergehendere Untersuchungen
gemacht worden; und dies gilt ebenfalls der Frage der Verschiebungen
zwischen den Gesellschaftsklassen. Der Auftrieb von den niederen
Gesellschaftsklassen und der Gegensatz dazu, die Abwärtsbewegung,
sind zwei Faktoren von ungemein großer soziologischer Bedeutung !).
320. Die Frage des Einflusses der Wanderungen auf die Be-
stimmung der Größe der Sterblichkeit reicht indes noch weiter.
Dies hängt damit zusammen (vgl. $ 283), daß man mittels einer ein-
fachen Wortveränderung die in dem Vorhergehenden be-
handelten Probleme auf eine ganze Reihe anderer Aufgaben übertragen
kann.
Der Anschaulichkeit halber können wir uns zu Anfang den ein-
{achen Fall denken, daß man den männlichen und bisher unver-
heirateten Teil der Bevölkerung eines Landes, über dessen Grenzen
keine Wanderungen stattfinden, beobachtet. Diese Bevölkerungs-
gruppe verkleinert sich also nur durch Sterbefälle und Eheschießungen,
während eine Vergrößerung lediglich durch Geburten erfolgt. Der
Abgang durch Ehe und Tod zehrt nun mit höchst verschiedener
Stärke auf den verschiedenen Altersstufen am Junggesellenbestande,
und man kann analog dem $& 297, wo nur Abgang durch Tod be-
rücksichtigt wurde, auch hier sich die entsprechende Aufgabe stellen
zu untersuchen, welche Altersgliederung die Junggesellen aufweisen
würden, falls sich die auf den verschiedenen Altersstufen herrschende
Sterblichkeits- und Eheschließungsintensität in der Bevölkerungsgruppe
hinlänglich lange unverändert hielte und die Wirkung dieser Ur-
sachen weder durch Schwankungen in der Geburtenmenge noch durch
Wanderungen gestört würde. Diese Aufgabe wird, wie es aus dem oben
Entwickelten hervorgeht, ganz einfach dadurch gelöst, daß man eine
Überlebenskurve L,(x) für die betrachtete Bevölkerungsgruppe be-
rechnet, jedoch nur so, daß jetzt kein Unterschied zwischen Abgang
durch Tod und Trauung gemacht wird. Da wir vorausgesetzt
haben, daß keine Wanderungen stattfinden, so geht aus den in den
S$8 310—312 dargestellten Methoden hervor. in welcher Form die
1) Vgl. H. Westergaard, On the study of displacements within a popu-
Jation, Quart. Public. of the American Statistical Association, Vol. X1X, Boston
1920, S. 381, und Modern problems in vital statisties, Biometrika, Vol. XVII,
London 1925. S, 355.