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Selbst wenn die Verlängerung der Lebenszeiten, welche die
gleichzeitige Beseitigung von zwei oder mehreren Todesursachen
mit sich führt, nicht gleich der Summe derjenigen Verlängerungen,
die jede der Ursachen für sich allein betrachtet, im Gefolge hat —
dies leuchtet bei einfachem Nachdenken unmittelbar ein —, so läßt
sich andererseits keine absolute Grenze angeben, unter die die Sterb-
lichkeit sinken könnte; gedankenmäßig liegt dem nichts im Wege,
sich jedenfalls gewisse Wirkungen einer willkürlich niedrigen Sterb-
lichkeit vorzustellen. Welche Lebenszeiten sich dereinst erzielen
lassen, muß dann auch ganz unberechenbar sein, obgleich in diesem
Punkte interessante Gedankenexperimente angestellt werden können *).
322. Die Aufgabe, eine Trauungstafel auf Grund der Erfah-
rungen über die Eheschließungsfrequenz unter Junggesellen zu kon-
struieren, ist bereits oben erwähnt; es ist klar, daß die für Trau-
ungen geltenden „biometrischen Funktionen“ einen ganz anderen
Verlauf nehmen als die, welche die Sterblichkeit beschreiben. So
geben z. B. in der Figur 19a die ausgezogenen Kurven jeweils für
BU Zü————
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
Fig. 19.
Männer und Frauen nach dänischen Erfahrungen der Jahre 1916—20 ?)
die Wahrscheinlichkeit l1,(x) dafür an, daß ein neugeborenes Wesen,
wenn man vom Abgang durch Todesfall absieht, das Alter x erreicht,
öhne verheiratet worden zu sein; zum Vergleich ist eine punktierte
Kurve eingezeichnet, die auf Grund dänischer Erfahrungen im selben
Jahrfünft die Wahrscheinlichkeit lı(x) dafür angibt, daß eine neuge-
1) Vergl. L. J. Dublin: The possibility of extending human life. Metron.
Vol. III, Ferrara 1923, S. 175.
?) Statistisk Tabelverk, 5. Rk., Litra A, Nr. 15: Egteskaber, Fodte og Dode
i Danmark i Aarene 1916 —20. Keobenhavn 1924.