fullscreen : Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre

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Tausch  und  Wert.

In  dem  Maße  zwar,  wie  die  Bedürfnisse  verfeinerten
Grades  sind,  dehnt  sich  auch  ihre  Grenze  aus,  sie
dehnt  sich  fast  ins  Unendliche.  Man  kann  nicht  sagen,  wieviel
Kleinodien  oder  Spitzen  nötig  sind,  damit  eine  Frau  zum
Sättigungspunkt  gelangt.  Doch  das  Gesetz  bleibt  giltig.
Ein  anderer  Fall,  in  welchem  Tausch  leicht  ist,  selbst  beim
primitiven  Menschen  —  und  gerade  bei  ihm,  ist  der,  wenn
der  Nutzen  des  besessenen  Eigentums  nicht  unmittelbar  ist,
sondern  erst  zu  einem  mehr  oder  weniger  entfernten  Zeitpunkt
verwirklicht  werden  kann.  Dann  bewirkt  die  Kurzsichtigkeit
des  primitiven  Menschen,  daß  er  den  Gegenstand  als  für  den
Augenblick  unnütz  ansieht.  Es  kommt  häufig  vor,  daß  die  Eingeborenen ­
  von  Algier,  Marokko  oder  des  Orients  fast  für  ein
Nichts  das  Getreide  herausgeben,  das  sie  für  die  Aussaat  aufsparen ­
  müßten.  Sobald  dies  erst  für  das  nächste  Jahr  war,
dachten  sie,  der  Gegenstand  habe  keinen  großen  Nutzen  für  sie.
Man  berichtet  sogar,  daß  bei  gewissen  wilden  Stämmen  an
den  Usern  des  Amazoneustroms  die  Kurzsichtigkeit  derart  ist,
daß  man  leicht  die  Hängematte,  in  der  sie  schlafen  wollen,
erwerben  kann,  wenn  man  sie  früh  morgens  darum  bittet,  weil
der  kommende  Abend  für  sie  so  weit  entfernt  liegt  wie  für  uns
2000  Jahre;  wenn  man  aber  wartet,  bis  sie  müde  sind,  werden
sie  sich  gegen  einen  Verkauf  sträuben.
Endlich  müssen  wir  noch  eine  andere  Vorbedingung  bemerken, ­
  die  geeignet  ist,  den  Tausch  zu  erleichtern,  nämlich
die,  daß  der  Besitzer  des  Gegenstands  einem  gewissen  Motiv
von  Freigebigkeit,  von  Altruismus  gehorcht.  Nun  ist  dies  ein
Gefühl,  das  durchaus  nicht  etwa  das  Vorrecht  der  Zivilisierten
/  '  bildet  -—  weit  gefehlt.  Zu  allen  Zeiten  hat  es  in  jeder  menschlichen ­
  Seele  einen  Kain  und  einen  Abel  gegeben,  die  beiein-,
  ander  wohnen,  und  Abel  wird  nicht  immer  von  Kain  getötet,
|  wenn  er  auch  im  allgemeinen  schlummert.  Das  erklärt  jene
paradoxe  Feststellung,  daß  in  der  Wirtschaftsentwicklung  das
Schenken  deni  Tauschen  vorangegangen  zu  sein  scheint  —  mit
anderen  Worten:  der  Mensch  hat  sich  leichter  dazu  entschlossen,
das  Eigentum  umsonst  herzugeben  als  unter  einer  lästigen
Bedingung.
Ich  behauptete  soeben,  daß  der  Diebstahl  dem  Tausch
vorangegangen  sei,  dasselbe  können  wir  auch  vom  Schenken
behaupten,  und  das  bringt  die  menschliche  Natur  wieder  zu
Ehren.  Vielleicht  trifft  das  sogar  von  den  Tieren  zu.  Ich
weiß  nicht,  ob  man  ihnen  nicht  das  Ehrenzeugnis  ausstellen
könnte,  daß  sie  das  Schenken  kennen,  wenigstens  in  ihren  Fa-
            
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