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Ich staunte, da ich sie entdeckte, und ein ausnehmendes Vergnügen
über die göttliche Ordnung war die Belohnung meiner Mühe“ 1).
Nach modernen Begriffen ist diese Harmonie allerdings nicht groß-
Von 100 21 jährigen Mönchen starben nach Süßmilchs Aufstellungen
binnen 10 Jahren ungefähr 8, von 100 Brandenburgern etwa 11.
Mittels 4 Tafeln berechnet er die durchschnittliche Kindersterblich-
keit im 2. Lebensjahre; die kleinste dieser Zahlen ist 49 von 1000,
die größte 104. Dennoch wagt man zu behaupten, daß Süßmilch,
vom Standpunkt seiner Zeit aus betrachtet, vollständig Recht hatte,
War ja doch der Verlauf der Sterblichkeit nach Altersklassen fest-
gelegt, ihre Form überall dieselbe, obzwar die Dimensionen vYver-
schieden sein konnten. Kein Wunder, daß man ob dieser Überein-
stimmung die Variationen nicht berücksichtigte oder besser der
Nachwelt die Bestimmung solcher Variationen überließ. Wer sollte
in Wirklichkeit vorauswissen können, daß die Sterblichkeit in allen
Ländern im Alter von 5—15 Jahren so verschwindend klein ist, daß
sie dann langsam steigt, so daß eine graphische Darstellung in großen
Zügen so gut wie überall dieselbe Form ergab?
Ihrer Bewunderung für die „göttliche Ordnung“ haben denn
auch spätere Statistiker, obwohl mit anderen Worten, Ausdruck ver-
liehen. Nur werden die statistischen Phänomene meistens als „Natur-
gesetze“ erwähnt, nämlich als „Budget der Gefängnisse, Galeeren
und Schaffotte“. Heißt es bei Süßmilch: „Ein jedes Alter liefert
beständig einen Zins zum Maß der Sterblichkeit“, so redet Quetelet,
wie weiter unten dargestellt wird, im 19. Jahrhundert genau dieselbe
Sprache. Es war ganz natürlich, daß Süßmilch die gefundenen Sterbe-
tafeln als typisch für alle Zeitalter ansah; „die gleiche Dauer des
Lebens“ ist ihm ein Axiom, doch auch dieses Axiom wird man spät
im 19. Jahrhundert wiederfinden.
Von diesem Standpunkt aus behandelt Süßmilch nun die einzelnen
Gegenstände, welche zu damaligen Zeiten statistisch beleuchtet werden
konnten. Er beschäftigt sich z. B. mit dem Verhältnis zwischen
Mädchen- und Knabengeburten und zeigt, daß selbst in so abgelegenen
Gegenden wie Trankebar und Batavia das Verhältnis so ungefähr
dasselbe sei wie in Europa; und er betont die Bedeutung des Über-
gewichts der Knabengeburten für das Gleichgewicht der Geschlechter,
auf die größere Knabensterblichkeit hinweisend.
Als ein Verdienst Süßmilchs kann auch hervorgehoben werden,
*) Göttliche Ordnung, 4. Ausg. 2. Teil, S. 295.