Full text : Grundzüge der Theorie der Statistik

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Wärmetheorie?), daß dessen Richtigkeit dadurch bedingt ist, daß wir
es mit Körpern zu tun haben, welche eine ziemlich große Anzahl Moleküle
 enthalten, denen man nicht im einzelnen folgen kann. Und er
wirft ganz allgemein die Frage auf, ob die Anschauungen, die lediglich
auf den Untersuchungen der rationellen Mechanik fußen, überhaupt
unserer faktischen Kenntnis der vorhandenen Dinge gegenüber Stich
halten, welche Kenntnis im wesentlichen statistischer Natur ist, weil
noch niemand eine Methode erfunden hat, mittels deren man dem Wege
der einzelnen Moleküle folgen und diese zu verschiedenen Zeitpunkten
identifizieren kann.
Diese neue Betrachtungsweise, die viele Jahre hindurch dem
Mißverständnis, ja Unwillen großer Kreise innerhalb der Naturwissenschaft
 begegnete, ist jetzt, gegenüber einer stets wachsenden
Menge von Phänomenen in der Physik, nicht zum mindesten den
elektrischen, als die einzige wirklich verwendbare anerkannt.
387. Auch die Philosophie hat viele Berührungspunkte mit
der Statistik. So kann z. B. eine systematische Einsammlung von
ausgefüllten Fragebogen ein recht interessantes Material hinsichtlich
der geistigen Entwicklung des Menschen ergeben und somit der
Psychologie von großem Wert sein, Besonders sei in diesem Zusammenhange
 die Psychophysik erwähnt, da viele Aufgaben in dieser
Disziplin statistischer Natur sind. Schlagende Beispiele sind die
Untersuchungen über den Einfluß des Alkohols auf die geistige und
physische Arbeitskraft; der Zweifel, den man gegen bereits vorliegende
 Untersuchungen dieser Art erheben kann, wird in dem Maße
verschwinden, wie die Grundlage nach streng wissenschaftlichen
Forschungsmethoden in der Form eines hinlänglich umfangreichen
Beobachtungsmaterials beschafft wird (vgl. $ 276).
Das zentrale Problem der Willensfreiheit bildet ebenfalls
einen Berührungspunkt der Philosophie mit der Statistik. Wenn
man nachweisen kann, daß anscheinend willkürliche menschliche Handlungen
 mehr oder weniger von gewissen äußeren Bedingungen abhängig
 sind, daß meteorologische Verhältnisse auf die Selbstmordfreaquenz
 einwirken, daß Teuerungen die Ehefrequenz herabsetzen uUsSW..

*) Dieser Satz besagt, daß es chne Anwendung mechanischer Arbeit unmöglich
 ist, eine Temperatur- oder Druckdifferenz in einer Stoffmenge hervorzubringen,
 die überall gleiche Temperatur hat, gleichem Druck ausgesetzt und in
einen Behälter eingeschlossen ist, der weder Wärmeleitung, noch Ausdehnung
oder Zusammenpressung zuläßt.
            
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