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gestaltet. Der Kirchenbesuch oder die Anzahl von Abendmahlsgästen
können recht bedeutungslose Zahlen sein, mit der nötigen Vorsicht
aber sind solche Zahlen geeignet, uns Fingerzeige über das religiöse
Leben der betreffenden Bevölkerung zu erteilen. Je tiefer die Ver-
hältnisse liegen, je größer der Abstand von den statistischen Be-
obachtungen ist, mit desto größerer Vorsicht muß man seine Schlüsse
ziehen. Daß man die Zahlen als mittelbaren Ausdruck für die Verhält-
nisse auffaßt, kann auch zugunsten der Indexzahlberechnungen
‚vgl. den 8 346 ff.) angeführt werden. Derartige symptomatische
Zahlen werden uns einen Fingerzeig geben, wenn es die betreffenden
Verhältnisse zu beleuchten gilt. Nur muß man sich dann stets vor
Augen halten, daß sich recht viele Ursachen hinter den Indexzahlen
verbergen können.
Die Schwierigkeiten, die der Statistiker bei der Nachspürung
von Ursachen zu überwinden hat, treten überall hervor. Betrachten
wir z. B. die „Moralstatistik“, Man vergleicht die Häufigkeit außer-
ehelicher Geburten in zwei Distrikten und stellt einen erheblichen
Unterschied fest. Darf man nun behaupten, daß das Distrikt der
geringeren außerehelichen Fruchtbarkeit sich durch eine größere Sitt-
lichkeit auszeichnet? Keineswegs! Man hätte jedenfalls zuerst eine
ganze Reihe anderer Symptome zu untersuchen, um dann erst zu
einer einigermaßen klaren Vorstellung von den moralischen Verhält-
nissen in den betreffenden Gebieten zu gelangen. Denn die kleine
Anzahl von unehelichen Geburten könnte ja der Fruchtabtreibung
usw. zuzuschreiben sein, so daß sie in Wirklichkeit auf einen sehr
niedrigen moralischen Stand der Bevölkerung deutete.
Ebenso schwierig ist beispielsweise die so oft behandelte Frage
über den Einfluß des Kontrollsystems bei der Prostitution!). Auch hier
kommen eine Menge von Ursachen in Betracht. Einerseits liegt
eine Schwierigkeit darin, daß eine Geschlechtskrankheit, die sich eine
Person an einem Ort zugezogen hat, an einem andern Ort zum Aus-
bruch kommen kann, und da die Statistik nur schwerlich genaue
Beobachtungen hierüber anzustellen in der Lage ist, läßt sich kaum
verhindern, daß man der Krankheit einen falschen Ursprungsort zu-
veilt. Ferner trifft man in Verbindung mit diesem oder jenem System
auch andere Maßnahmen, z. B. eine mehr oder weniger effektive Klinik-
pehandlung. Und auch andere Verhältnisse sind mitwirkend: der
Fortschritt in der ärztlichen Behandlung, politische Verhältnisse usw.
') Westergaard, Die Lehre von der Mortalität. 2. Ausg. 1901 S. 640 f.
Westergaard und Nybölle, Theorie der Statistik, 2. Aufl. 70]