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mittel in „mathematische“ und andere *) teilen kann. Da die Gesetze,
denen menschliches Denken zu folgen hat, in allen Fällen gleich
sind, so ist hier nur von Verschiedenheiten hinsichtlich der Aus-
drucksmittel (Sprache) die Rede; und die Frage nach der Verwendung
mathematischer Hilfsmittel ist daher gewissermaßen eine Frage nach
der bei den einzelnen Fällen zu erwägenden Zweckmäßigkeit.
390. Dagegen wird es selten oder nie Schwierigkeit bereiten zu
entscheiden, ob ein vorliegendes Problem für die Statistik auf ihrer
gegenwärtigen Entwicklungsstufe von aktuellem Interesse ist. Ihre
Fortschrittsmöglichkeiten müssen denn auch in erster Linie darauf
beruhen, ob auf Grund der vorliegenden Beobachtungen positive
statistische Resultate nachzuweisen sind, ob man z. B. gesund-
keitsschädliche Berufe oder die Sterblichkeit bei Erwachsenen unter
Berücksichtigung des Zivilstandes, bei Kindern unter Berücksichtigung
der Ernährung, der Geburtsnummer, des Alters der Eltern usw. oder
den Zusammenhang zwischen Alter und Einkommen angeben kann,
oder ob sich die Gesetze der Arbeitslosigkeit in ihrer Abhängigkeit
von Jahreszeit und Konjunktur oder der Einfluß, den die Ehe zwischen
Blutsverwandten auf den Gesundheitszustand der Kinder ausübt, be-
stimmen lassen. Etwas ist in dieser Beziehung geleistet worden,
jedoch harrt noch manches der Lösung; viele der Fragen sind noch
kaum am Firmament erschienen; vielleicht tauchen sie erst dann
auf, wenn man die Bearbeitung dieses oder jenen Materials in An-
griff nimmt 2).
Solche Aufgaben erfordern eine energische, zielbewußte Samm-
lung von Beobachtungen, weit mehr als eine Entwicklung spezieller
mathematischer Formeln. Es gilt hier in erster Linie den Ur-
sachen auf die Spur zu kommen. Dies ist nicht so zu
verstehen, daß man die ganz bestimmte numerische Wirkung
einer Ursache festlegt. In der Regel muß man zufrieden sein, wenn
sich eine Tendenz nachweisen läßt. Ist erst festgestellt, daß
dieser oder jener Erwerbszweig gesundheitsschädliche Momente
hat, dann hat die Statistik der Sozialpolitik einen bedeutsamen
Dienst geleistet, gleichgültig, ob die Verschiedenheiten in der Sterb-
!) Die Anwendung oder Nichtanwendung einer mathematischen Zeichensprache
(Formeln) kann in dieser Beziehung nicht als das Entscheidende aufgefaßt werden,
insofern es sich hierbei nur um eine Ausdrucksweise handelt, die sich verändert
hat und sich weiter wird verändern können,
?) Vgl. im übrigen H. Westergaard, Statistikens Fremtid, Nationalokono-
misk Tidsskrift, 62. Bd. Kobenhavn 1924, S. 337.