im Steuerwesen und in den Ausgaben des Reiches grundlegende
Aenderungen eingetreten wären,
Durch Verordnung vom 11, Oktober wurde kurzerhand be-
stimmt, daß alle Reichssteuern auf Gold umzustellen seien. Durch
drei Steuernotverordnungen wurden weitere tief in die Wirtschaft
einschneidende Steuermaßnahmen getroffen, Das Kontrollrecht
des Finanzministers über die einzelnen Reichsressorts wurde
wesentlich erweitert, Die Ausgaben wurden stark eingeschränkt,
vor allem durch einen sehr scharfen Abbau der Beamtenschaft,
Etwa 25 Prozent der Reichsbeamten wurden entlassen, Eisenbahn
und Post wurden in ihren Finanzen ganz auf eigene Füße gestellt.
Sie führten Goldtarife ein und erhielten keinerlei Unterstützung
vom Reiche mehr,
Trotz aller dieser Maßnahmen war es ein kühnes und gefähr-
liches Unterfangen, das Gleichgewicht im Reichshaushalt lediglich
durch die Kredithilfe der Rentenbank herzustellen. Es blieben
dem Reiche nach Ablösung seiner Schuld von 200 Millionen bei
der Reichsbank von dem Gesamtkredit der Rentenbank noch
1000 Millionen Rentenmark, Davon verbrauchte das Reich schon
bis Ende Dezember 800 Millionen, weil die Einnahmen zunächst
noch stark hinter den nötigen Ausgaben zurückblieben, Von An-
fang Januar 1924 an aber gelang es, ohne weitere Benutzung des
Rentenbankkredits Ausgaben und Einnahmen des Reichs im
Gleichgewicht zu halten, Bald wurden sogar Ueberschüsse erzielt,
Die Reichsfinanzen waren Ende 1923 besonders dadurch be-
lastet worden, daß man trotz der Einstellung des passiven Wider-
standes sich auch nach dem 15, November genötigt sah, die Unter-
stützung der Erwerbslosen im besetzten Gebiet fortzuführen, Dafür
wurde ein Höchstbetrag von 100 Millionen Rentenmark ausge-
setzt, der natürlich nur für kurze Zeit helfen konnte, So stand die
Regierung vor der Frage, wie nach Aufgabe des passiven Wider-
standes die Wirtschaft in'den besetzten Gebieten aufrecht erhalten
werden sollte, Rhein und Ruhr hatten im letzten Jahr fast aus-
schließlich von den Geldsendungen der Regierung gelebt. Industrie
und Handel waren durch die Zwangsmaßnahmen der Besetzung
lahmgelegt. Die Arbeit in den Bergwerken und Fabriken stand still,
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