Full text: Grundzüge der Theorie der Statistik

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Damit waren jedoch die statistischen Aufgaben des Versiche- 
rungswesens keineswegs erschöpft. In England hatte schon im 
18. Jahrhundert das Krankenkassenwesen Bedeutung erlangt, 
und der Philosoph Richard Price hatte einen interessanten Ver- 
such unternommen, die Abhängigkeit der Kränklichkeit vom Alter 
festzustellen, indem er diese in ein gewisses Verhältnis zur Sterb- 
lichkeit setzte. Das 19. Jahrhundert brachte nun eine Reihe inter- 
essanter Ergebnisse, z. B. mehrere Berichte des großen Kranken- 
kassenordens The Manchester Unity of Odd Fellows, und eine vom 
Staatskontor für die englischen Friendly Societies bearbeitete 
Krankenkassenstatistik. In Deutschland erschien 1910 ein ausführ- 
licher Bericht über die Krankheits- und Sterblichkeitsverhältnisse 
der Ortskrankenkasse für Leipzig und Umgegend. 
Das Material zum Studium der Invaliditätsstatistik ist 
namentlich Deutschen zu verdanken. Die erste Grundlage für diese 
Art Untersuchungen gaben Beobachtungen über das Personal der 
deutschen Eisenbahnverwaltung ab; die ersten Resultate erschienen 
im Jahre 1876, später folgten Untersuchungen über Bergarbeiter 
und in diesem Jahrhundert endlich offizielle Mitteilungen über die 
deutsche Alters- und Invaliditätsversicherung. 
Der Medizinalstatistik hafteten lange bedeutende Mängel 
an; oft waren die Verfasser dazu unfähig, das bunte und gewöhn- 
lich bruchstückartige Material der Krankheits- und Todesursachen- 
statistik mit erforderlicher Kritik zu sichten und zu bearbeiten. In 
dieser Beziehung aber hat das 20. Jahrhundert einen wesentlichen 
Fortschritt gebracht, indem viele der Verfasser jetzt bestrebt sind, 
die Fallgruben, in denen ihre Vorgänger vielfach verunglückten, 
zu vermeiden und andererseits die Hilfsmittel, welche ihnen die 
Theorie der Statistik darbietet, zu benutzen. 
50. Ein Mangel war es, daß lange nur eine geringe Verbindung 
zwischen den Pflegern der Wahrscheinlichkeitsrechnung 
und den Vertretern der praktischen Statistik bestand. Oben 
wurde erwähnt, daß die Wahrscheinlichkeitsrechnung schon zu An- 
fang des vorigen Jahrhunderts eine hohe Entwicklungsstufe erreicht 
hatte. Eine Vervollständigung der Wahrscheinlichkeitsrechnung ver- 
dankt man Poisson mit seinem früher genannten Buche: Recherches 
sur la probabilite des jugements, 1837. Nunmehr wurde es möglich, 
die zufälligen Abweichungen von den gefundenen statistischen Werten 
zu beurteilen unter der Voraussetzung, die man allerdings viel 
später erst gründlich untersuchte, daß sich die Beobachtungen im
	        
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