Object: Holländische Wirtschaftsgeschichte

Beschränkungen der Produktion infolge der Teuerung des 
Getreides waren schon frühzeitig in Aussicht genommen worden. 
Zu diesem Zwecke stellte man 1771 Aufsichtsbeamte an, die die 
Brennereien zu kontrollieren und festzustellen hatten, wie hoch 
die Produktion war; damit verbunden war eine Beschränkung 
der Brennerei auf gewisse Tage und Mengen von Getreide. Zeitweise 
wurde auch die Verwendung von Getreide ganz untersagt. Für die 
Schiedamer Brennerei, die eher an Überproduktion litt, war das 
zeitweilige Stilliegen gar nicht schädlich; 1787 baten sogar viele 
Brenner, es möchte in den Brennereien nicht mehr als zweimal 
täglich geheizt werden!). Von den Nebenprodukten war das wich- 
tigste die Hefe; die Brennhefe verdrängte allmählich die Brau- 
hefe, tat ihr jedenfalls viel Abbruch?). Von großem Einfluß war die 
Brennerei auch auf die Schweinezucht; sie entwickelte sich in Schie- 
dam so stark, daß 1695 zeitweilig die Zahl der den Brennern er- 
laubten Schweine von 30 für jeden Brennkessel auf 20 herabgesetzt 
werden mußte, um der Stadt die drohenden Zustände eines all- 
gemeinen Schweinestalls zu ersparen. Das wertvolle Spülwasser, 
dessen Entfernung viel Sorge machte, wurde später als Dung in 
Wagen fortgeschafft®). 
Für den Fiskus bildete die Branntweinbrennerei eine überaus 
wertvolle Quelle. Absolut waren diese Belastungen ziemlich hoch; 
sie trafen zuerst alle Rohstoffe (Roggen, Malz, Torf, Kohlen); 
hinzukamen dann Trockenmaß, Armenabgaben, Krahngeld usw. 
Die Akzise stieg wiederholt; und das ‚‚Gemal‘, die Abgabe vom 
Mahlen, wurde 1636. um ein Drittel erhöht, 1671 nochmals ver- 
doppelt. Vergeblich bemühte sich 1680 Schiedam, die Einführung 
des Gemals für die Brenner zu verhindern. Die im Verhältnis zu 
anderen Orten, wie Weesp, zu hohe städtische Belastung in Schiedam 
führte 1738 zu einer Klage der Schiedamer Brenner. Da sich der 
Impost nach den festgesetzten Stärkegraden des Branntweins rich- 
tete, bestand eine Kontrolle des ersteren‘). Im allgemeinen ver- 
breitete sich offenbar der inländische Branntweingenuß; Ende des 
17. Jahrhunderts fand er Eingang auf den Kriegsschiffen, wo bisher 
u van Riemsdijk, SS: 671, 71. 
2) Vgl. oben S. 121. 
3) van Riemsdijk, 1S.\98f. 
#)ı van Riemsdiijk,S. 15901, ı88 ff. 
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