Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

524 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
licher Weise, vornweg Herr Granier de Cassagnac, Emile de 
Girardin und Edmond About. 
Inzwischen hatte, wie wir wissen, das auswärtige 
Ministerium in Berlin schon am 4. Juli dem französischen 
Geschäftsträger auf Befragen geantwortet, es stehe der 
Kandidatur des Prinzen von Hohenzollern völlig fern; das⸗ 
selbe teilte bald darauf auch der preußische Gesandte in Paris 
dem französischen Ministerium mit. Aber man nahm von diesen 
Versicherungen keine Notiz. Vielmehr erhielt der französische 
Gesandte am preußischen Hofe, Benedetti, am 7. Juli gegen 
Mitternacht von Gramont die Weisung, er solle von Wild— 
bad, wo er sich aufhielt, unverzüglich nach Ems fahren und 
König Wilhelm ersuchen, „qu'il conseisle au prince de 
Hohenzollern de ne pas revenir sur son acceptation“; und 
ein späterer Brief Gramonts verlangte ein noch viel weiter⸗ 
gehendes Eingreifen. Benedetti hielt sich indes nur an die 
erste Weisung und trug diese dem Könige am 9. Juli in Ems 
vor. Der König, der inzwischen durch den preußischen Bot⸗ 
schafter in Paris über die französischen Vorgänge genau unter— 
richtet worden war, antwortete fofort freundlich: die Sache gehe 
ihn als König von Preußen überhaupt nichts an; er habe mit 
ihr nur als Familienhaupt zu tun, werde aber mit dem Vater 
des Prinzen nochmals überlegen. 
Darauf sprach am 12. Juli Fürst Anton von Hohenzollern 
den Verzicht seines Sohnes auf die spanische Kandidatur aus. 
Damit schien denn der Zwischenfall aus der Welt geschafft. 
Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, schrieb König Wilhelm 
an seine Gemahlin. In Paris waltete dieselbe Ansicht vor; 
der Minister Ollivier sprach es wiederholt aus: „Nous avons 
réussi, c'est la paix.“ Auch der Kaiser selbst war dieser An⸗ 
schauung. Am 13. Juli sagte er zu den Vertretern zweier 
Großmächte: „O'est la paix“: — mit dem bezeichnenden Zu⸗ 
satze: „Je le regrette, car l'occasion était bonne.“ 
Allein es kam anders. Die Kaiserin wollte den Krieg. 
Und die öffentliche Meinung in Frankreich stimmte ihr bei, 
indem sie nunmehr, nach geschlossenem Zwischenfall, von König
	        
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