Nun einiges über die Kampfmethoden., War ein Bauernverband
gegründet, so wählte er sofort eine Untersuchungskommission, die fest-
zustellen hatte, ob die öffentlichen Gelder rechtmäßig verausgabt
waren. War das nicht der Fall, so wurden die verantwortlichen Be-
amten verhaftet, teils hingerichtet, teils zu hohen Geldstrafen ver-
urteilt [(bis zu etlichen 10000 mexikanischen Dollars) (1 mexikanischer
Dollar“ rund 2 Reichsmark). Die Bauern auferlegten den Genossen-
schaften Zwangsspenden (große Summen). Der Verband lud diejenigen
zum Verhör vor, die im Ruf standen, die Bauern und Landarbeiter
schlecht behandelt zu haben. /Die Bauern erfanden eine originelle
Art der Bestrafung, die darin bestand. daß sie z. B. in der Provinz
Hunan die Gutsbesitzer besuchten, was auf den ersten Blick keineswegs
eine Strafe scheint. Man stelle sich aber vor: es versammeln sich
200 bis 300 Bauern, begeben sich zum Gutsbesitzer, verbringen bei ihm
2 oder 3 Tage, lassen sich bewirten und .,.., essen ihn arm! In einem
Dorf waren es z.B, sogar 15000 Bauern, die bei sechs Gutsbesitzern vier
Tage zu „Gast weilten. Man rechne sich aus, was sie bei dieser
Gelegenheit verzehrten. Oder eine andere Art von Strafe, Hatten die
Bauern einen, wie man in China sagt, „schlechten Gentry‘, einen Be-
amten verhaftet, der staatliche Gelder unterschlagen hatte, und konnten
sie ihn wegen seines Vergehens nicht zum Tode verurteilen, so setzten
sie ihm einen Zylinderhut auf den Kopf und führten ihn in diesem
Aufzuge durch das ganze Dorf, womit sie ihn unmöglich machten.
Nach chinesischer Sitte bedeutete das nämlich die größte Beschimpfung,
die man einem Gentry zufügen konnte, er verlor das „Gesicht“, Die
Bauern verfügten häufig, daß die von ihnen Verhafteten durch die alten
Behörden ins Gefängnis gesteckt wurden, wobei sie Zettel folgenden
Inhalts ausstellten: „Früher habt ihr uns eingesperrt, jetzt sperren wir
Euch ein.“ In der Provinz Hunan wurde ein besonderes Gericht für
Gentrys und dunkle Geschäftsleute eingesetzt, das in vielen Fällen die
Todesstrafe durch Erschießen verhängte. In einigen Landkreisen
wurden diese Urteile auch vollstreckt;
Von den wirtschaftlichen Kampfmethoden der Bauern sind zu er-
wähnen: Verbot der Ausfuhr von Reis und Getreide aus einer Provinz
in die andere, Richtpreise für Reis, Verbot der Aufspeicherung großer
Getreidevorräte, Durch solche Maßnahmen wurden die Preise für
Reis gesenkt. Sodann verboten die Bauern die Pacht zu erhöhen,
setzten die Pacht herab, verboten die Kündigung der Pachtverträge,
beschränkten den Zinsfuß für Darlehen auf einen Höchstsatz und ver-
weigerten die Steuern,
In der Provinz Hunan hatten die Großgrundbesitzer bis dahin eine
bewaffnete Schutztruppe von 50000 Mann zur Verfügung gehabt, die
eine ähnliche Rolle spielten, wie im vorrevolutionären Rußland die
Landgendarmen, Sie wurden jetzt von den Bauern entwaffnet und auf-
gelöst, Die Bauern schufen sich eine eigene Schutztruppe, die sie in
Stärke von 50 000 bis 100 000 Mann auf die einzelnen Kreise verteilten.
Aus Mangel an modernen Waffen war jedoch die Bauernwehr zum
großen Teil nur mit Lanzen ausgerüstet.