Contents: Geburtenrückgang u. Sozialreform

166 Hite, Geburtenrüdgang und Sozialreform 
gleiche Bevölferung (bis zu 18 Jahren) mit der Zahl der Fürforgezöglinge in Vergleich 
tellt, im Sahre 1912 auf 
Broz. der Proz. der 
Bevölterung BZöglinge 
Sroßitädte (mit mehr als 100000 Einw.) 19,1 42,3 
Mitteljtädte (mit 20—100 000 Einw.) . . 14,8 22,8 
Rleinftädte (mit 2000—20 000 Einw.) . . 25,2 21,7 
Landgemeinden (bis zu 2000 Einw.) . . 41,5 183,7 
Während alfo auf die Großftädte mehr al8 die doppelte Zahl der Fürforgezöglinge 
(42,3 Prozent) entfällt, als ihrem Bevölferungsanteil (19,1 Prozent) ent{pricht, ift 
das Sand nur mit einem Drittel (18,7 Prozent) der feiner Bevölkerung (41,5 Prozent) 
ent[prechenden Zahl beteiligt.) Mit der Größe der Stadt wächlt die Notwendigkeit 
der Fürforgeerziehung. 
Bunächit gilt e3, durch 
l. Sdug und Förderung unferer Landwirt|hHaft 
ieje jo zu heben, daß wir wenigjtens im Notfalle unabhängig vom Aud- 
(ande auf Grund der eignen Produktion unfere Ernährung ausreichend 
gefichert wijjen. Diefes Ziel wird uns hoffentlich durch den Zuwachs erober- 
ten Landes und durch einen erweiterten und politifHgefidherten 
30ollbund — Mitteleuropäilder WirtjhHaftsverband — erleichtert, 
Daran {chließt fich als zweite Aufgabe: der bedrohlidhen Zujammenballung 
der Bevöllerung in den Großjtädten — ftärler und jHneller als 
je in einem andern europäifjhen Staate — durch eine Reihe von Maß- 
nahmen zielbewußt entgegenzumwirken. Die Hauptaufgabe ob- 
liegt hier unfern großen Verfehrsanftalten: den Eijenbahn- (einfgHließlich 
SKanal-) und Poftverwaltungen. Über auch bei Beftimmung des Sihes 
der Behörden, Sarnijonen, Sildungsanftalten ufw. jollten die Meinen und 
inittlern Städte mehr Berücfichtigung finden. Bor allem muß auf eine 
Dezentralifation der Induftrie Hingewirkt werden. Die 
Staatz- und Provinzialbehörden, die Gemeindeverwaltungen, die Kredit- 
inftitute uf. müfjen die Errichtung indufjtrieller Anlagen auf dem Lande 
fördern. Verkehrserleichterungen, billige Frachten und elektrifdhe Kraft« 
anlagen (Überlandzentralen) wirken in gleiher Nichtung. Landwirtfchaft 
und Indufjtrie Können fih in Verteilung der Arbeitskräfte wefjentlich 
ergänzen. Die auf dem Lande ımöglidhe Eigenproduktioin der Familie 
‚Kartoffeln, Gemife, Mild) und Feifch), die billigere Wohnungsgeftaltung 
ujm., die einfacdhern Sitten und geringern VBerlodungen zu Ausgaben ver- 
dunden mit den gefundheitlichen Vorzügen des Landes fidhern der Indu- 
itrie billigere und zuverläffigere Arbeitskräfte. Die gefeblidhe Erhöhung 
der Wohnungsanfprüche bezüglich Bebauungsplänen und Wohnungsorb- 
nungen in den Städten, die natürlich au eine Erhöhung der Preife und 
Mieten mit fich bringt, verftärkt die Beweggründe für die Bevorzugung 
von Keinitabt und Land. 
1) Statiltit über die FHirforgeerziehung Minderiähriger (Nawitih 1914) 51.
	        
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