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dung von Genossenschaften wird die Ausschaltung des privatwirtschaftlichen Handels
erreicht. Das ist jedoch nicht das Ziel der Landwirtschaft, sondern Ziel ist nur die
Hebung der Preise. Die Genossenschaften haben ihre großen Aufgaben zu erfüllen
im Sinne der Bildung von landwirtschaftlichem Eigenkapital und der Brechung von
Monopolstellungen des Handels. Außerdem ist es sicher, daß im Hintergrunde jeder
Absatz-Organisation auch die Genossenschaft als technisches Handelsorgan stehen
wird, um ungerechtfertigten Forderungen des Handels entgegentreten zu können.
Wollte man, um eine Absatz-Organisation für Getreide zentral durchzuführen,
überall den Handel ausschalten durch Gründung neuer Genossenschaften, dann ist
sicher ein Einfluß auf den Preis zu erwarten, man muß sich aber auch darüber klar sein,
daß dann damit ein großes Risiko für die Landwirtschaft entsteht. Die Gründung jedes
neuen Handelsunternehmens ist mit Risiko verbunden. Darum muß man sich überlegen,
ob nicht eine Preisbeeinflussung auch durch Zusammenarbeit zwischen Handel und
Landwirtschaft möglich ist. Diese Frage ist kein theoretisches Problem mehr. Der
Deutsche Weizenverband konnte sich hierbei stützen auf die Erfahrungen der Spiritus-
Zentrale (1908/09). . .. Wenn man berücksichtigt, daß die deutsche Weizenernte einen
Wert von etwa 600 Millionen RM. hat, so ist diese Warenmenge sehr wohl in der Lage,
einen Einfluß auf den Markt auszuüben. Sie kann es jedoch nur dann, wenn sie ge-
schlossen auftritt.
Durch das Kommissionssystem ist es möglich, der Landwirtschaft den Einfluß
auf die Preisbildung zu verschaffen, ohne Bildung neuer technischer Handelsorgane,
also ohne technisches Risiko. Hierbei werden der Provinzialhandel und die eingeführ-
ten Genossenschaften als Kommissionäre der geeinigten weizenbauenden Landwirtschaft
eingeschaltet.
Der Deutsche Weizenverband schafft sich also keinen neuen Handelsapparat.
Er schließt Verträge mit reellen Provinzhändlern und eingeführten Genossenschaften
zur kommissionsweisen Verwertung der Ware. Der Deutsche Weizenverband selbst
vertritt die einzelnen Weizenlieferanten gegenüber den Händlern, bei der Bestimmung
des Verkaufstermines und somit des Verkaufspreises. Es ist notwendig, daß der Weizen-
verband Lieferungsverträge mit Landwirten abschließt, damit er die Möglichkeit hat,
einen Einfluß auf den Handel auszuüben. Gelingt es dem Weizenverband, auch nur
eine beschränkte Anzahl von Weizenlieferanten auf dem Gebiete des Weizenverkaufs
zu vertreten, so kann er sich sofort eine starke Machtstellung schaffen. Denn es ist
gewiß, daß alle anderen Landwirte sich der Preispolitik des Weizenverbandes an-
schließen werden, wenn nur eine Möglichkeit vorhanden ist, bessere Preise zu erzielen.
Der Weizenverband muß aber eine gewisse Menge Weizen selbst vertreten, um eine
feste Stellung gegenüber dem Handel zu erobern, In Mitteldeutschland ist ihm das
schon gelungen. Der Anschluß der noch fehlenden Weizenmengen wird sich von selbst
vollziehen. Die erste Aufgabe des Weizenverbandes war es, das Kommissionssystem
für die Landwirtschaft durchzusetzen, im Interesse einer Zusammenarbeit von Land-
wirtschaft und Handel. Die zweite Aufgabe des Weizenverbandes ist die Ausschal-
tung von Notverkäufen durch Lombardierung der Ware. Alle die Landwirte, die aus
finanziellen Gründen verkaufen müssen und sich daher der Preispolitik des Weizens
nicht anschließen könnten, können ihre Ware durch den Weizenverband lombardieren
jassen. Durch bankseitige Verhandlungen hat der Weizenverband die Lombardierung
von Weizenmengen zu für die Landwirtschaft günstigen Bedingungen durchgesetzt.
Wenn bisher gesagt wurde, daß Lombardierung von Ware ein großes Risiko-
geschäft darstelle, so ist das richtig; aber nur eine Lombardierung von Ware zu Lasten
eines einzelnen. Jeder, der Ware lombardiert, versucht damit den Gesamtpreis zu