Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

220 Die Gründer der heutigen Schulen 
wahrt werden. Ich glaubte endlich, die langersehnte Entdeckung 
gemacht zu haben, daß der Fortschritt der sozialen Verfassungen 
im Umgang der Weisen unserer Zeit zu lernen sei. . . . Aber 
auch darin wurde ich, wenn auch angenehm, enttäuscht: denn 
ich stellte bald fest, daß Plato zwanzig Jahrhunderte vor mir 
die wahren Meister der Sozialwissenschaft erkannt und in den 
selben Worten beschrieben hatte, wie ich. Der einzige Unter 
schied zwischen ihm und mir ist, daß ich jene Männer autorités 
sociales nannte, während er sie vielleicht zutreffender als gött 
liche Menschen bezeichnete“ *). 
Über das Familienbudget, den Kristallisationspunkt einer 
jeden Monographie, schreibt Le Play: „Wie man durch das 
Studium meiner in dem Werk Ouvriers Européens enthaltenen 
Monographien feststellen kann, laufen alle Handlungen, welche 
die Existenz einer Arbeiterfamilie ausmachen, direkt oder in 
direkt auf eine Einnahme oder Ausgabe hinaus. Es liegt nun 
in der Natur der Dinge, daß die Einnahmen einer Familie, in 
Geld geschätzt, der Summe der Ausgaben und Ersparnisse gleich 
sind. Daraus folgt, daß ein Beobachter eine Familie vollständig 
kennt, wenn er nach Analyse sämtlicher Elemente, welche in 
den beiden Teilen des häuslichen Budgets enthalten sind, zu 
einer genauen Übereinstimmung der beiden Summen gelangt. 
Dieses Prinzip der Methode scheint auf den ersten Blick die 
Sozialwissenschaft auf das Studium der materiellen Elemente 
des menschlichen Lebens zu reduzieren. In Wirklichkeit führt 
es auf dem direktesten Wege zum entgegengesetzten Resultat. 
Diese Wahrheit wird häufig auffallend evident durch die Ver 
gleichung von Familienbudgets. Ja häufig ist eine einzige Ziffer 
in diesem Sinne beredter als eine lange Rede. So kann man 
z. B. an der Verkommenheit des Schiffsausladers aus den Pa 
riser Vororten keinen Zweifel mehr haben, wenn man durch 
die Lektüre seines Budgets (Ouvriers Européens, Bd. VI: IX, 15) 
erfahren hat, daß er jährlich 185 Frs., gleich 12% seines Ein 
kommens ausgibt, um sich im Wirtshaus zu berauschen, wäh 
rend er keinen Centime auf die Erziehung seiner fünf 4- bis 
14jährigen Kinder verwendet“ 2 ). 
*) Le Play, Méthode Sociale, p. 388—389 (Ouvriers Européens, Bd. I, 
Buch I, cap. 12 § 5). 8. auch Plato, IIsqí roiç Nóyoiç, Buch XII. 
2 ) Le Play, Méthode Sociale, p. 225 ff.
	        
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