Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die Schule der Réforme sociale 
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ander. Deswegen ist aber die zweifache Gruppierung nach dem 
wirtschaftlichen und dem sozialen Gesichtspunkt nicht unnötig. 
Die Betriebe ordnet man nach dem Bewirtschaftungssystem : 
Halbpacht, Geldpacht, Selbstbewirtschaftung, und nach ihrer 
Bedeutung, für welche die Zahl der Hektare und der Viehstand 
Anhaltspunkte geben. Die Gruppierung der Familien geschieht 
nach teilweise andern Gesichtspunkten als in den Städten. Die 
Momente des Ursprungs der Familien und der Dauer ihres Auf 
enthalts am Orte fallen bei einer eingesessenen landwirtschaft 
lichen Bevölkerung fort. Desgleichen die religiöse Zugehörig 
keit, da in dieser Beziehung meist Homogeneität auf dem Lande 
besteht. Dagegen tritt ein in den Städten fast unbekanntes 
Moment in den Vordergrund: die Form der Familie, ob patriar 
chalische, Stamm- oder unbeständige Familie. In einer Land 
schaft wird man nie die patriarchalische Form und die der 
Stammfamilie nebeneinander finden. Innerhalb beider wird man 
aber viele Abstufungen, von der alten klassischen Form bis zur 
Lockerung der Familienbande und deren völliger Auflösung, 
antreffen. Von sonstigen Gesichtspunkten für die Gruppierung 
der Familien kommen in Betracht: die Kinderzahl, die soziale 
Rangstellung und berufliche Tüchtigkeit (entspricht der Lohn 
höhe in den Städten), der Geist der Neuerung (mißt sich am 
Verschwinden der örtlichen Mundarten), die Sittlichkeit. 
Hat man die beiden Serien aufgestellt, so wählt man in jeder 
drei zu beschreibende Einheiten nach dem Grundsatz der 
„Musterung der Extreme“ aus. Zur Aufnahme der Familien 
monographien dient das Schema Le Plays*), zu derjenigen der 
Monographien von landwirtschaftlichen Betrieben das von du 
Maroussem für städtische Arbeitsstätten aufgestellte. 
In zweiter Linie kommt die „Monographie de Marche“ 2 ). 
Unter einem landschaftlichen Markte versteht du Ma 
roussem: 1. Die Gesamtheit der Käufe und Verkäufe, welche 
täglich und direkt zwischen einerseits Bauern, Pächtern usw., 
andererseits Müllern, Bäckern, Viehhändlern usw. abgeschlossen 
werden. Ein guter Teil derselben ist Naturaltausch. 2) Den 
monatlichen Jahrmarkt des Hauptortes. Mit diesem ver- 
1) Oder das vereinfachte von du Maroussem. 
2 ) loc. cit. p. 181 fis.
	        
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