Full text: Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

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§ 2. Die Arbeitsweise der Wirtschaftsgeographie nsw. 5 
in diesem Gebiet keine irgendwie erhebliche Veränderung hervorgerufen hat, so 
können nicht volkswirtschaftliche, sondern müssen geographische Gründe dafür maß 
gebend sein. In der Tat findet der Wirtschaftsgeograph solche in vollkommen aus 
reichendem Maße, sobald er die physikalische Geographie Großbritanniens zur Er 
klärung der auffallenden Tatsache heranzieht. Das Klima Süd osten glands ist für 
den Getreidebau gegenüber demjenigen anderer großbritannischen Landschaften so 
viel günstiger, daß es uns den Beweis dafür liefert, daß der Rückgang des Acker 
baues auch im übrigen, feuchteren und wolkigeren England und Schottland eben 
falls nicht allein der Ausbreitung der industriellen Tätigkeit zugeschrieben werden 
kann, wie dies von verschiedenen Kreisen immer noch geschieht. 
In gleicher Weise wie bei dem hier gegebenen Beispiel wird 
nun die Wirtschaftsgeographie bei der Behandlung jeder Art von 
Gütererzeugung Vorgehen. D. h. sie wird zunächst das räum 
liche Vorkommen an und für sich feststellen, eine Arbeit, 
bei der sie lediglich topographische Gesichtspunkte obwalten läßt. 
Die meisten älteren Arbeiten, die sich wirtschaftsgeographisch nannten, 
sind über diese Art der Behandlung nicht hinausgegangen. Sie sind 
deshalb dem Veralten außerordentlich schnell unterworfen und sind 
zudem in erster Linie nichts anderes als Nachschlagebücher, deren 
Nutzen darum im einzelnen Falle keineswegs unterschätzt werden 
soll. Die eigentlich wissenschaftliche Arbeit beginnt 
indessen erst mit der Untersruchung der Ursachen der 
in der Gütererzeugung zutage tretenden Verschieden 
heiten, wobei die Wirtschaftsgeographie, wie bereits 
angedeutet wurde, in erster Linie die in der Natur be 
ruhenden Ursachen dieser Unterschiede zu ergründen 
hat. Auch hier möge ein Beispiel die Arbeitsweise unserer Wissen 
schaft erläutern. 
Beispiel: Jedem, der von dem Rückgänge der Landwirtschaft in Groß 
britannien vernimmt, wird bei der Berücksichtigung der Viehstatistik auffallen, daß 
den selbst im Vergleich zu Deutschland günstigen Verhältniszahlen für Rinder und 
den recht hohen für Schafe, außerordentlich niedrige für Schweine gegenüberstehen, 
während die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs gerade das Fleisch dieses 
Tieres in außerordentlicher Menge verbraucht. Vergleichen wir diese Zahlen mit 
einander, so ergibt sich, daß auf je 1000 Einwohner kommen: in Deutschland rund 
320 Rinder und 340 Schweine, aber nur etwa 170 Stück Kleinvieh, in Großbritannien 
und Irland 260 Stück Hornvieh, dagegen 630 Stück Kleinvieh, aber nur 86 Schweine. 
Daß hier nicht volkswirtschaftliche Ursachen maßgebend sein können, ergibt sich 
aus der Größe dieser Unterschiede von selbst. Die ausgezeichneten Grasweiden der 
englischen Inseln gestatten die Haltung einer trotz aller Industrie sehr bedeutenden 
Zahl hochwertiger Rinder. In der Tat ist infolgedessen die Dichte des Rinder 
bestandes daselbst die gleiche wie bei uns, d. h. auf dem Quadratkilometer werden 
dort ebenso wie im Deutschen Reiche durchschnittlich 38 Rinder gehalten. Während 
aber das Klima die Zucht von Hornvieh auf den britischen Inseln wegen seiner 
Feuchtigkeit in ebenso hohem Grade begünstigt, wie es den Ackerbau benachteiligt, 
so ist es auch der Aufzucht des für die Briten so wichtigen Schweines nicht förder 
lich. Denn zu dieser bedarf der Landwirt eines Massenfutters, das ihm in unseren 
Breiten die Kartoffel, in den Mittelstaaten der Union der Mais gewährt, während in 
dem an Niederschlägen überreichen Inselgebiet ein solches in ausreichendem Maße 
nicht gewonnen werden kann. So erklären sich uns die sonderbaren Gegensätze in 
der tierischen Produktion eines und desselben Gebiets ohne Schwierigkeiten, für 
deren Deutung rein volkswirtschaftliche Gründe nicht ausreichen würden. 
Nur zu oft hat man ferner eine bestimmte Produktionsart ohne 
Rücksicht auf die Verschiedenheit der natürlichen Bedingungen der 
Gewinnung betrachtet. Und doch ergeben auch diese ganz gewaltige 
Unterschiede des allgemein-wirtschaftlichen Wertes eines Gegenstandes. 
Es sei hier nur an das Goldvorkommen erinnert. Je nachdem dies 
Edelmetall in der Form von leicht dem Boden zu entreißendem
	        
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