Full text: Die Reichseisenbahnen

66 
bunden werden. Hierzu kommt, daß der Bau der Kleinbahnen nicht 
immer lediglich von dem Maß des Verkehrsbedürfnisses abhängt, sondern 
vielfach auch von dem mehr oder weniger großen Tatendrang und 
Einfluß der Kreisverwaltung. 
Die Folge dieser Zustände ist eine starke Zersplitterung des preu 
ßischen Kleinbahnwesens, die mit der wirtschaftlichen Entwicklung mehr 
und mehr in Widerspruch gerät. Diese Entwicklung fordert in steigendem 
Maße den Zusammenschluß der Städte mit Nachbarorten sowie ganzer 
Landesteile zur Bedienung des Nachbarverkehrs. Mit anderen Worten: 
der Überlandverkehr gewinnt eine wachsende Bedeutung. Es sei 
hier erinnert an die Wichtigkeit, die mit Recht dem starken Vorort 
verkehr für die gesamte Siedlungs- und Stadterweiterungspolitik der 
Großstädte beigemessen wird. Das tritt besonders hervor in dem 
Wohnungsproblem Groß-Berlins. Es sei ferner erinnert an die großen 
Projekte des rheinisch-westfälischen Jndustriebezirks, an das 
Projekt einer Städtebahn von Dortmund nach Düsseldorf, sowie der 
Städtebahn Düsseldorf—Köln. Diese Projekte sind zum Teil wegen 
innerer Schwierigkeiten, zum Teil wegen der staatlichen Bedenken nicht 
ausgeführt worden, da man in Bahnen von dieser Bedeutung eine Ge 
fährdung des Staatsbahnprinzips erblicken zu müssen glaubte. Trotz 
solcher Bedenken sind aber aus dem Überlandverkehr so bedeutende 
Privatbahnen entstanden, wie die Köln—Bonner Bahnen, die jetzt eine 
selbständige Hauptbahn darstellen. Ähnliche Entwicklungsmöglichkeiten 
liegen auch in anderen Bahnnetzen, die zur Zeit als Kleinbahnen im 
Sinne des preußischen Gesetzes angesehen werden, z. B. der Mörser 
Kreisbahn. 
Ein allgemeiner Zusammenschluß der Kleinbahnen eines größeren 
Wirtschaftsgebietes würde nun in vielen Beziehungen wertvolle Vorteile 
mit sich bringen: 
Zunächst würde der Ausbau des Netzes systematisch und 
unter gleichmäßiger Abwägung der Bedürfnisse des ganzen Landesteils 
erfolgen und die mehr oder weniger zufällige Verteilung der Klein 
bahnen berichtigt werden können. (Vgl. die Verteilung der Klein 
bahnen nach Anlage IV.) Sodann würden technische Fort 
schritte erreicht. Die Ausbildung des Oberbaues, der maschinellen 
Anlagen, der Fahrzeuge usw. würde einheitlicher und sorgfältiger durch 
gebildet werden können, als das durch die bereits bestehenden Vereins 
einrichtungen erreicht wird. Auf allen Gebieten der Verwaltung wie 
der technischen Dienstzweige könnten hervorragende Spezialkräfte ge 
wonnen werden. 
Hierzu kämen aber weitere Möglichkeiten auf dem Gebiete der Orga 
nisation durch Zusammenfassung der Verkehrsmittel. 
Gerade der Verkehr abgelegener Landesteile zeigt in seiner Bedienung
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.