förderung und arbeiten mit Handel und Industrie Hand in Hand.
Die einzelnen Betriebe stehen unter sich in Verbindung und tauschen
gegenseitig in vollkoimmen geordneter Weise ihre Bedürfnisse aus.
Alles in allem macht das Leben und Treiben der Menschheit den
Eindruck eines großen und vollkommenen Organismus.
Sieht man aber mehr ins Einzelne, dann wirkt das Bild wesent—
lich aunders. In der Landwirtschaft wird die Arbeit der Menschen
bedroht und oft vernichtet durch elementare Ereignisse. Trockenheit,
Nässe, Kälte, Hagelschlag zerstören die Frucht emsigen Fleißes,
und die Wirkungen davon erstrecken sich oft auf die entferntesten
Länder. Falsche Kalkulationen, ungünstige Konjunkturen bringen den
Kaufmann und Industriellen um seine Existenz, andere Unterneh—
mungen steigen dafür empor. In der ganzen Wirtschaft herrscht
der Kampf: der Kampf gegen die Elemente, aber auch der Kampf
des einzelnen Betriebs gegen den anderen, der einen Gruppe gegen
die audere, der einen Volkswirtschaft gegen die andere. Nicht immer
siegt in diesem Kampf das Gute, häufig das Schlechte, der Skrupel—
lose und Brutale schlägt den Gewissenhaften und Vornehmen, der
Untüchtige, aber Verschlagene, siegt über den Tüchtigen und Ehr—
lichen. Die Folgen des Kampfes beschränken sich dabei nicht auf die
an ihm unmittelbar Beteiligten; sie ziehen alle anderen Bevölkerungs—
kreise und Berufsschichten mehr oder weniger in Mitleidenschaft.
Alles das gibt Grund genug zu pessimistischer Lebensauffassung, zur
Bestätigung des Ntephisto-Wortes: „Alles was entsteht ist wert,
daß es zugrunde geht.“
Aber einerlei, wie wir philosophisch oder stimmungsmäßig zu
diesenn Dasein stehen, wir leben das Leben und müssen uns mit ihm
abfinden. Wir müssen uns sagen, daß, wie alles Entstehen und Ver—
gehen in der Natur auf den Kampf, d. h. auf den Kampf ums
Dasein gestellt ist, auch im menschlichen Leben das gleiche Prinzip
herrscht, daß aber audererseits der Mensch als höheres und mit Ver—
nunft begabtes Wesen die Möglichkeit hat, sittliche Grundsätze zu
verwirklichen und damit das menschliche Dasein auf eine höhere und
befriedigendere Stufe zu heben, daß er in dem Kampf um diese
Gruudsätze seine Daseinsberechtigung und auch seine Daseinsfreude
findet nach dem Faustwort: „Nur der verdient sich Freiheit und das
Leben, der täglich sie erobern muß.“