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schiedenheit der Einkommen ab: die klare Setzung einer „quali-
tas occulta“, ein typischer Zirkelschluß. Das geschieht gerne und
oft namentlich dann, wenn es sich um Leistungen zwar ver-
schiedener, aber doch verwandter Dimensionen handelt, etwa beim
Vergleich der Einkommen verschiedener akademischer Berufe oder,
noch weiter spannend, der verschiedenen „geistigen“ Berufe von
Wissenschaftlern und Künstlern. Mit anderen Worten: man faßt
hier die Qualifikation durchaus adjektivisch, als objektive Be-
gabung der betreffenden Personen auf.
Offenbar hat Amonn den Begriff „Fähigkeit“ in meiner De-
finition der Qualifikation in dieser Weise mißverstanden. Ich hatte
davor gewarnt. Auf S. ırı meiner Replik steht: „Begabung ist,
was Amonn zu verkennen scheint, ökonomisch ebensowenig ohne
weiteres ‚Qualifikation‘, wie etwa ‚Bedürfnis‘ wirksame Nachfrage ist.“
Daß Amonn mich in dieser Weise mißverstanden hat, geht
nicht nur aus dem schon soeben Abgehandelten hervor, sondern
noch aus manchem anderen, Er macht z. B. gegen meine grund-
legende Definition der Qualifikation den folgenden Einwand, auf
den er freilich kein Gewicht zu legen, von dem er „absehen“ zu
wollen erklärt: „Vor allem hängt nun aber die Höhe des Einkommens
gar nicht allein von der Art der Produkte ab, die jemand zu Markte
bringt, sondern auch von der Menge derselben, nicht ausschließlich
von der qualitativen, sondern auch von der von jener unabhängigen
quantitativen Leistung des Produzenten. Infolgedessen kann, streng
genommen, nur von einer Fähigkeit, Produkte zu Markte zu bringen,
die im Verhältnis zu den anderen Produkten (nicht zu „den
Produkten anderer Personen“) einen höheren oder geringeren Preis
erbringen im Verhältnis zur Leistung, die das Zumarktebringen
bedeutet oder erfordert, gesprochen werden“.
Der Einwand würde mich nicht getroffen haben: ich habe
nirgends von der „Art“ der Produkte, sondern immer nur von
„Produkten“ schlechthin gesprochen. In den ersten Auflagen dieses
Buches (S. 67) kann man finden, daß ich ausdrücklich als höher
qualifiziert bezeichnet habe: erstens diejenigen, die aus höher
bezahlten Einzelprodukten ein höheres Einkommen beziehen, und
zweitens diejenigen, die in gleicher Zeit eine größere Menge gleich
hoch bezahlter Einzelprodukte zu Markte bringen (und daraus ein
höheres Einkommen gewinnen) als ihre Konkurrenten. Das heißt
also: wer zwar höher bezahlte Einzelprodukte, diese aber in so
geringer Zahl zu Markte bringt, daß sein Einkommen geringer ist
als das eines Konkurrenten, der eine größere Zahl geringer bezahlter
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