Contents: Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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Bender—Reni, obwohl ihr eingeleisiger Trakt bei der Beförderung der 
russischen Trußpenmassen 1877/78, soweit er fertiggestellt war, sich als 
unzulänglich erwies, in dem alten Zustand belassen zu können. 
Abgesehen von den strategischen Bahnen gibt es noch weitere 
Bahnen, die mit aus demselben Gesichtspunkt zweigeleisig ausgebaut 
sind, so die aus dem Innern zum Westen führenden Linien. Es sind 
das aber mit ganz wenigen Ausnahmen auch wirtschaftlich sehr wichtige 
Strecken, die großen Eörderlinien des Verkehrs zwischen den Haupt 
städten und Mitteleuropa (St. Petersburg—Wilna—Warschau, Wilna— 
Wirballen, Moskau—Warschau). Die zweigeleisige Erweiterung ist im 
Kriegsfälle auch bei den wichtigen Zufuhrlinien aus dem Innern zu den 
baltischen Gestaden (so bei der Linie Smolensk—Riga) bedeutsam. 
Die große Südbahn ist bis auf die taurische Strecke, die Linie Moskau- 
Woronesh—Rostow bis auf kleinere Strecken zweigeleisig ausgebaut. 
Sowohl verkehrspolitisch wie strategisch sind die zur mittleren und 
unteren Wolga führenden Bahnen meist von geringer Bedeutung. Zwei 
geleisige Bahnen sind infolgedessen nur in kleiner Zahl vorhanden und 
selbst die große sibirische Bahn ist in ihrem links der Wolga gestreckten 
Teil noch nicht ganz zweigeleisig, während ostwärts von Ufa über Tschel 
jabinsk bis nach Omsk das zweite Geleise gelegt ist. Es ist begreiflich, 
daß Bahnen, wie St. Petersburg—Moskau, Moskau—N. Nowgorod, die 
ehemals bedeutendere Linie Kiew—Kursk, Losowaja—Taganrog längst 
zweigeleisig ausgebaut sind. In Finnland haben nur die verkehrs 
reichste Bahn St. Petersburg—Wiborg und die Strecke Helsingfors — 
Riihimäki zwei Geleise. — 
Mehr noch als in der Eisenbahnpolitik kommt der strategische Ge 
danke im Bau und in der Pflege der Straßen zum Ausdruck. Wenn hier 
nur die Chausseen, die ja allein militärischen Anforderungen Rechnung 
tragen, berücksichtigt werden, so ist für den einseitig. strategischen 
Charakter vieler Straßen schon das eine bemerkenswert, daß von den 
nur knapp 30 000 W, die das Russische Reich in Europa an Chausseen 
aufweist, ungefähr zwei Drittel auf Polen und die angrenzenden West 
provinzen kommen. Trotzdem also Polen verhältnismäßig bevorzugt 
ist, steht es doch in der Ausdehnung der Chausseen weit zurück gegenüber 
den benachbarten Teilen Österreichs und namentlich Preußens. Man 
braucht die militärische Bedeutung der Steinstraßen nicht zu über 
treiben, denn es ist zweifellos, daß bei einer großen Zahl von Straßen 
Verkehrs- und wirtschaftliche Rücksichten obenan stehen, mögen sie 
daneben auch militärischen Ansprüchen gerecht werden. Aber ebenso 
ist bei vielen Chausseen der militärische Entstehungsgrund in die Augen 
springend. Dazu gehört es z. B., wenn an manchmal unbedeutenden 
Stationen der Grenzbahnen, also im Aufmarschgebiet, die Chausseen 
beginnen, oder wenn zwischen zwei Bahnenj die noch ohne Querver 
bindung geblieben sind, Straßen gebaut sind, ohne daß sie jenseits der
	        
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