512 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit beim Militär.
die gesündesten und stärksten Jünglinge ausgehoben hatte. Und jene
Ziffer bezeichnete schon damals nicht den ganzen Umfang des Men
schenverlustes , weil viele Schwererkrankte aus dem Heere entlassen und
später den Todten des Civilstandes zugezählt wurden, während sie
eigentlich auf die Sterbliste der Soldaten gehören. — Das erste preuss.
Armeecorps, welches allerdings die stärksten Verluste erlitt, hatte*) in
dem Jahrzehnt 1850—59 durchschn. 17,6 Todesfälle auf 1000 wirkl.
präsente Soldaten, nach Abrechnung der als Invaliden Entlassenen !
Hiezu kamen aber noch je 51,06 jener Invaliden, zus. also ein Gesammt-
verlust von'68,66 1 (In der kurzen Zeit vom 1, Apr. 1859 bis Ende
Juni 1860 waren in diesem einen Armeecorps 248 M. als Invaliden und
überdies 662 als dienstuntauglich entlassen !) Allerdings stellte sich die
Ziffer bei den übrigen Armeecorps geringer, doch durchgehends sehr
hoch, wenn man die Entlassenen mit in Anschlag bringt.**)
Piem ontesische Armee. In den Jahren 1834—43 war die
Sterblichkeit der Truppen in Piemont und Savoyen 15,8 vom Tausend
[auf Sardinien sogar 23,5), während sie bei der entsprechenden Civilbe-
völkerung nur 9,2 betrug.
Spanische Armee. Es wurden in den Spitälern Militäre verpflegt
1860 1861
Offir. Soldat. Offlc. Soldat.
in den Militärspitälern . . . 792 119,907 112 64,514
in den Civilspitälern . . . 1328 312,929 1138 219,398
Zusamnien 2120 432,836 1250 1^83^942
Bios in den Militärspitälern sind gestorben ;
1860 56 Officiere und 4515 Soldaten
1861 11 - - 1862
1860 fand allerdings der Marokkanische Feldzug statt.
Unter den Todten dieses Jahres I860 befanden sich 7 Off. u. 675
Soldaten zu Tetuan. (Auch Spanien erlangte seinen milit. Ruhm nicht
gerade wohlfeil.)
Ermittlungen aus der jüngsten Zeit. Die Leistungen der Statistik,
— die offenen Darlegungen der factischen Verhältnisse — konnten nicht
ohne praktische Beachtung bleiben. Es erfolgten mancherlei wirkliche
Verbesserungen ; vielfach bemühte man sich , jene gräulichen Zahlener
gebnisse zu beseitigen. So hob der ñanz. Kriegsminister in einem Be
richte vom 1. Oct. 1864 hervor; in den Jahren 1862 und 63 habe die
durchschnittl. Sterblichkeit auf 1000 Mann im europäischen Frankreich
nur noch 10, in Algerien 12 Mann betragen. Nach der Dauer der
Dienstzeit ergebe sich folgendes Verhältniss ; auf 1000 M. unter den
Fahnen betrage die Sterblichkeit bei einem Dienste von
weniger als 1 Jahr . . . 11,45
1—3 Jahren 13,38
3—5 - 9,30
5—7 Jahren 7,40
7—14 - 5,35
darüber 7,11
*) Nach der Broschüre : »Die Militärorganisation social und deutsch beleuch
tet. Berlin, 1862,« welche Schrift von einem Intendanturrathe herrühren soll.
**) Bei einigen, eine sehr niedrige Sterblichkeitszifl'er ergebenden Berech
nungen hat man nicht blos die Entlassenen ausser Ansatz gelassen, sondern
auch — um die Todesfälle auf eine recht grosse Anzahl zu vertheilen, — die
ganze Formationsstärke der Corps, also mit Einrechnung der gar nicht Präsen
ten, der Beurlaubten u. s. f. zur Grundlage der Rechnung gemacht!