Zweites Kapitel.
Die Steuerlast und das Kapitalwachstum.
Der Hauptbestandteil des Volkseinkommens wird immer für
die Befriedigung der unmittelbaren Bedürfnisse der Bevölkerung
an materiellen Gütern (Nahrung, Kleidung usw.) verwendet. Ein
weiterer, verhältnismäßig kleinerer Teil dient zur Deckung der
Ausgaben für die innere Verwaltung, sowie den äußeren Schutz
des Staates; der dritte Teil endlich bildet die jährlichen Ersparnisse
der Nation und dient zur Vergrößerung des Produktionsfonds. Je
größer das Volkseinkommen und je geringer der Teil desselben
ist, der zur Befriedigung der Staatsbedürfnisse verwendet wird,
desto bedeutender ist die kapitalbildende Fähigkeit und somit die
Kraft der ökonomischen Entwicklung der betreffenden Volkswirtschaft.
Im vorangegangenen Kapitel berechneten wir das Volkseinkommen
des europäischen Rußlands; versuchen wir nun die
Größe der Steuerlast zu bestimmen.
Die Staatsausgaben für die Verwaltung werden aus zwei
Quellen geschöpft: i. aus materiellen Werten, die, von Privatpersonen
geschaffen, vom Staate in der Form von Abgaben angeeignet
werden und 2. aus materiellen Werten, die der Staat
selbst produziert. In beiden Fällen nimmt der Staat einen bestimmten
Teil des Volkseinkommens weg und verwendet ihn für die
Organisation der inneren Verwaltung sowie für den Schutz des
Staates nach außen hin. Der Staat hat keineswegs die Aufgabe,
neue materielle Werte zu schaffen; er verbraucht sie nur, um bestimmte,
nicht materielle Güter zu erreichen. Daher haben die
wirtschaftlichen Betriebe des Staates keinen selbständigen Wert,
sie dienen ihm vielmehr nur als Einnahmequellen J ).
') In den fortgeschritteneren westeuropäischen Staaten entsteht eine
neue Aufgabe — die Organisation einer neuen Wirtschaftsordnung. Die Munizipalisierung
und Sozialisierung verschiedener Betriebe, die Umwandlung derselben
in öffentliche ändern vollständig das Wesen des Staates. Aber auch