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Seele mit anderem erfüllen. Er nimmt gewahr, daß unterhaltende Geselligkeit, glück—
liches Familienleben, Erziehung der Kinder, die Übung der eigenen Kraft und Gewandt—
heit gleichmäßigere und dauerndere Lust gewährt. So erwachsen das Kraft- und das
Selbstgefühl, das Mitgefühl und die Liebe, die Verbands- und Gemeinschaftsgefühle aller
Art, zületzt die moralischen und Pflichtgefühle nach und nach unter der Einwirkung der
Erfahrung, der Gesellschaft, der Ideenwelt. Erst eine psychologische Geschichte der Mensch—
heit, vor allem eine Geschichte der Entwickelung der Gefühle, wie sie andeutungsweise
Horwicz giebt, würde uns eine richtige Grundlage für alle Staats- und Gesellschafts-
wissenschaft bieten.
An alle die einzelnen, nach und nach sich ausbildenden Gebiete des Empfindungs—
lebens knüpfen sich nun Lust- und Schmerzgefühle, und dieselben wirken als Wegweiser
für den menschlichen Willen und das Handeln. Und wenn wir zweifeln, ob wir das
beglückende Gefühl des Heldentodes jür das Vaterland mit dem gleichen Namen bezeichnen
sollen wie die Lust am Becher schäumenden Weines, so ist das Gleiche und Verbindende
a nur die Natursfeite des Zustandekommens eines Glücks- oder Lustgefühls. Wie auf
den wilden Stamm der Rose die verschiedensten Blütenarten gepfropft werden, so sind
unsere Nervenreize der physiologische Untergrund für das Verschiedenste, was Menschen—
seelen bewegt. Und alle höheren, reineren Freuden können voll nur aus unserem geistigen
und socialen Leben erklärt werden, wie die natürlichen aus unseren animalischen Prozessen.
Mit der Erfahrung, daß die verschiedenen Gefühle stärkere oder schwächere, einfache
oder mannigfache, vorübergehende oder dauernde, kurz nach den verschiedensten Seiten
dem Grad und der Art nach unterschiedene Freuden gewähren, verbindet sich die denkende
Ordnung, welche alle die verschiedenen Gefühle nach ihrer Bedeutung für das Leben
gliedert und in Reihen bringt. Es entsteht eine Skala der Lust- und Glücksgefühle.
Eine tiefere und edlere Lebensauffassung kommt zu dem Ergebnis, daß die Lustgefühle
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Verknüpfungen und Verhältnisse sie sich anheften (Fechner). Das Gefühl steht höher,
das nicht an einen einzelnen, sondern an mehrere Sinne sich anknüpft, das nicht den
Abrper, sondern die Seele, nicht die Lage des Moments, sondern die dauernde des
Individuums, nicht das Individuum allein, sondern die Genossen, die Familie, die
Mitbürger betrifft oder mitbetrifft. Allen sittlichen Fortschritt kann man von diesem
Standpunkt aus betrachten als den zunehmenden Sieg der höheren über die niedrigen
Gefühle. Aller Fortschritt der Intelligenz und der Technik, der Mehrproduktion und
der komplizierteren Gesellschaftseinrichtungen führt nur daun die Völker sicher und dauernd
aufwärts, wenn die Gefühle, welche das Handeln bestimmen, sich in dieser Richtung
entwickelt haben.
Es ist klar, daß bei dem Sieg der höheren über die niedrigen Gefühle die letzteren
selbst etwas anderes werden. Auch die elementaren, natürlichen Lustgefühle verfeinern
und veredeln sich oder verknüpfen sich immer enger mit höheren Gefühlen. Die Lust
der Sättigung verknüpft sich beim Kulturmenschen mit den Freuden des Familien—
lebens und der angeregten Geselligkeit, mit gewissen ästhetischen Gefühlen. Aus dem
Behagen, in Höhle und Hütte sich gegen Kälte und Wetter zu schützen, wird mit der
besseren Wohnung die Freude am eigenen Herd, an seiner Ordnung und anmutenden
sauberen Gefstaltung. So wird die Verknüpfung der verschiedenen Gefühle miteinander
zugleich zu ihrer richtigen Ordnung. Auch die sinnlichen verschwinden nicht, aber sie
werden an ihre rechte Stelle gefetzt und durch ihre Einkleidung in höhere gezügelt und
reguliert.
Die wesentlichen habituellen Gefühle erscheinen in ihrer Beziehung zur Außenwelt
a Ied risse in ihrer aktiven auf bestimmtes Wollen und Handeln hinzielenden Rolle
als Triebe.
12. Die Bedürfnisse. Die Lust- und Unlustgefühle weisen den Menschen über
sich hinaus; sie nötigen ihn, tastend, suchend, überlegend das aufzusuchen, zu benutzen, sich
zu assimilieren, was ihn von Schmerz befreit, was ihm Befriedigung, Lust und Glück ver—
schafft. Die ihn umgebende Außenwelt mit ihren Schätzen, die sie nach Klima und Boden,