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Gegenstände und Leistungen aller Art eine so überragende Bedeutung, daß
auch in Zeitaltern entwickelter geldlicher Verkehrswirtschaft im Falle großer
Kriege stellenweise Erscheinungen der Naturalwirtschaft auftreten, wenn auch
andererseits nicht übersehen werden darf, daß gerade große Kriege in anderer
Richtung die Hauptförderer der Geldwirtschaft sind. In welcher Weise die Ver
fügung über große Warenmengen den Kompensationsverkehr zwischen den
führenden Stellen herausfordert, möge ein Brief Napoleon I. an Bernadotte
vom 8. August 1811 beweisen: „Ich werde Ihnen für 20 Mill. Fres. Kolonial
waren geben, die ich in Hamburg habe. Sie geben mir für 20 Mill. Fres. Eisen.
Ich brauche in Antwerpen Eisen und habe Überfluß an englischen Kolonial
waren.“ Dieser Brief aus den Jahren der Kontinentalsperre könnte ebenso
heute in den Jahren der Weltblockade geschrieben werden. Tauschte man
damals Kolonialwaren gegen Eisen, so tauscht man heute in ähnlicher Weise
Erz gegen Kohle ein. Die Art der Waren steht im Vordergrund, die
Geldmenge tritt in ihrer Bedeutung wesentlich zurück ; im Augenblick der
Zahlung ist bereits die Gegenleistung festgelegt. Das Geld hat eben stellen
weise seine Eigentümlichkeit, Anweisung auf beliebige Waren und Leistungs
arten zu sein, eingebüßt — seine Kaufbreite ist eingeschränkt ; es dient mehr
dazu, die getauschten Mengen durch Verwendung einer gemeinsamen Skala
leichter zu bestimmen.
Die Naturalwirtschaft zeigt sich während des Weltkrieges auf vielen Ge
bieten, wobei sie zum Teil auf ganz verschiedene Ursachen zurückgeht. Die
Innen Wirtschaft kennt heute den Tauschhandel, nicht nur den
Tauschhandel in kleinem Stil, der darin besteht, daß Zigarren gegen Mehl ge
tauscht werden, sondern auch den Tauschhandel in großem Stil, der darin
besteht, daß z. B. Kohlengruben Kohle waggonweise abgeben, um waggon
weise Sauerkraut für ihre Arbeiter zu erhalten. Rohstoffe aller Art werden
so gegen Fertigfabrikate beschafft ; man kann übrigens auch die Beschaffung
von Lebensmitteln für die Arbeiter zur Beschaffung von Produktionsrohstoffen
zählen. Diese Art der Lebensmittelbeschaffung bringt es mit sich, daß der
Naturallohn heute wieder eine große Rolle spielt. Bleibt auch die Form
des Geldlohns erhalten, so liegt doch in Wirklichkeit Naturallohn vor, wenn
die Fabrik den Arbeitern vertragsmäßig für ihren Geldlohn Naturalien zu
bestimmten Preisen in bestimmten Mengen liefert. Die Lebensmittelabgabe
stellen vieler Beamtenkörper wären hier zu erwähnen. Übrigens spielt auch
der organisierte Naturaltausch heute schon eine große Rolle, er beruht
z. B. darauf, daß wichtige Bedarfsartikel an ganze Gemeinden nur dann über
eine bestimmte Menge hinaus abgegeben werden, wenn die Lieferung von
Milch, Butter und Eiern eine gewisse Höhe erreicht. Eine solche Organisation,
die sich in Deutschland bewährt zu haben scheint, ist unter Umständen nicht
nur dazu angetan, die bäuerliche Bevölkerung erfolgreich zur Lieferung von
Lebensmitteln anzuhalten, sondern kann sie auch vor einer zu starken Be
lastung durch die Preiserhöhung der Industrieartikel bewahren. Schließlich
muß darauf verwiesen werden, daß alle Rationierung naturalwirtschaft
lichen Charakter an sich trägt, daß alle Arten der Naturalienaufbrin
gung durch Requisitionen und verwandte Maßnahmen hierher zu rechnen sind.
3. Zur Systematik des Kompensationsverkehrs.
Diesen und ähnlichen Tatbeständen entspricht auf dem Gebiete der Außen-
wirtschaft der Kompensationsverkehr. Am bekanntesten ist der
Austausch von Waren gegen Waren, doch können auch andere Tauschobjekte
m Frage kommen. So hat man z. B. in Norwegen während dieses Krieges
immer mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß nicht nur Erze und Fische,
sondern auch Tonnage gegen Waren in Tausch gegeben werden kann. Schließ
lich können in gleicher Weise Wasser rechte, Hafenrechte oder auch politische
und sonstige Gegenleistungen in Frage kommen.
Durch den Kompensationsverkehr tritt die Naturalbetrachtung überall in
den Vordergrund, auch dort, wo es sich um Gelderörterungen handelt. Selbst
breiteren Kreisen wird heute zum Bewußtsein gebracht, daß Valutafragen