Vorwort.
Der Unterausschuß für Landwirtschaft hat sich bei seinen Untersuchungen
nicht das Ziel gesetzt, die landwirtschaftlichen Verhältnisse in jedem einzelnen
Landesteil in allen ihren Zusammenhängen zu erforschen. Er beschränkt sich vielmehr
im allgemeinen darauf, eine Reihe. wichtiger Probleme, wie z. B. die Fragen
der landwirtschaftlichen Rentabilität und Verschuldung, in ihrer Gesamtbedeutung
für die deutsche Landwirtschaft zu klären sowie die Erzeugungs- und Absatzbedingungen
der hauptsächlichsten Betriebszweige zu untersuchen.
Wenn er sich trotzdem entschlossen hat, für Ostpreußen einen Sonderbericht
vorzulegen, der die wichtigsten Probleme für diese Provinz zusammenfassend behandelt,
so veranlaßte ihn dazu die im Laufe seiner Arbeiten gewonnene Erkenntnis,
daß die ostpreußische Landwirtschaft sich in einer besonders schwierigen Lage
befindet. Namentlich ergab sich aus den Untersuchungen über die Kredit- und
Verschuldungsverhältnisse der deutschen Landwirtschaft ein überaus besorgniserregendes
Bild von der Lage der ostpreußischen Landwirtschaft. . Wie in dem
Anfang März 1928 der Reichsregierung erstatteten Vorbericht über die Verschuldungsverhältnisse
der deutschen Landwirtschaft festgestellt wurde, hat die Auswertung
von Buchführungsergebnissen gerade in Ostpreußen einen Grad der Verschuldung
ergeben, der über die Verschuldung in allen anderen deutschen Gebieten
hinausgeht.
Die Erhebungen über die Lage der Landwirtschaft in Ostpreußen wurden im
Sommer 1928 begonnen. Der Unterausschuß für Landwirtschaft mußte sich dabei
naturgemäß in starkem Maße auf die Mitwirkung der Behörden und landwirtschaftlichen
Organisationen in Ostpreußen stützen, die auch in weitestem Umfange und
mit größter Bereitwilligkeit gewährt wurde. Sowohl der Herr Oberpräsident, der
Herr Präsident des Landesfinanzamts und der Herr Landeshauptmann wie auch
der Herr Präsident der Landwirtschaftskammer, die Generallandschaftsdirektion,
lie Ostpreußische Landgesellschaft und eine Anzahl freier landwirtschaftlicher
Vereinigungen haben in Statistiken und Gutachten ein sehr reichhaltiges und wertvolles
Material zur Verfügung gestellt.
Der Unterausschuß für Landwirtschaft hielt es aber außerdem für erforderlich,
die so gewonnenen Unterlagen noch durch persönliche Untersuchungen an Ort
und Stelle zu ergänzen. Zu diesem Zweck wurde in der Zeit vom 22. bis zum
27. Oktober 1928 eine Besichtigungsreise durch die Provinz unternommen, bei der
wiederum die erwähnten amtlichen und nichtamtlichen Stellen die Untersuchungen
in jeder Weise zu fördern bestrebt waren. Bei dieser Reise erhielten die daran
beteiligten Mitglieder und Ständigen Sachverständigen des Unterausschusses für
Landwirtschaft in eingehenden Besprechungen mit den Vertretern der Behörden und
landwirtschaftlichen Organisationen in Königsberg und in verschiedenen Orten
der Provinz und vor allem durch die Besichtigung einer größeren Zahl landwirtschaftlicher
Betriebe einen lebendigen Eindruck von den großen und mannig-