Full text: Bevölkerungslehre

6. Kap. Wirtschaft und Bevölkerung v. Beginn d. 19, Jahrh. bis z. Gegenwart ]181 
zügigkeit geordnet; denn die Erlaubnis zur ersteren war auch in 
der Regel von dem Nachweis eines geordneten Nahrungszustandes 
abhängig gemacht. Freilich hat man nicht ohne Grund gegen solche 
Ehebeschränkungen angeführt, daß sie ein recht ungeeignetes Mittel 
seien, ein zu starkes Wachstum der Bevölkerung zu verhindern, 
denn die Zahl der unehelichen Kinder werde in demselben Maße 
zunehmen, in dem die Heiraten erschwert würden. Das wird auch 
deutlich, wenn man in dieser Hinsicht die Rheinpfalz, in der keine 
Ehebeschränkungen bestanden, mit den übrigen Gebieten Bayerns, 
in denen es der Fall war, vergleicht *!). 
Zeitraum 
1817—25 
1826—34 
835—42 
;843—51 8 
[852—57 9 
Von 100 Geburten waren unehelich 
in der Rheinpfalz im übrigen Bayern 
21 
22 
23 
23 
24 
Auch in England stand die Gesetzgebung durchaus unter dem 
Einfluß der Lehren von Malthus. Das galt von der Auswanderungs- 
gesetzgebung, mit der sich eine besondere Kommission in den Jahren 
1826 und 1827 befaßt hat?). Als um die Mitte der zwanziger Jahre, 
im Zusammenhang mit den Bestrebungen der Großgrundbesitzer, die 
kleinen Pachtgüter zusammenzulegen, „In Irland zahllose kleine Pächter 
auf die Straße geworfen wurden, hatte man für alle Notschreie und 
Klagen nur die Antwort, daß das Vorgehen der Grundbesitzer das 
Wohl des irischen Volkes anstrebe, das durch diesen zwar bedauerns- 
werten, aber notwendigen Prozeß auf das Maß seiner Ernährungs- 
nöglichkeit zurückgeführt werde“. Von den Anhängern der Malthus’- 
schen Lehre wurde damals die Auswanderung dieser von ihrem 
Besitz Vertriebenen bekämpft, weil dies einen zu großen Anreiz zu 
arneuter Bevölkerungszunahme bedeuten würde. ‚Man war nur 
dann in diesen Kreisen mit einer Auswanderung einverstanden „wenn 
alle so geräumten Hütten eingerissen und die Armenpflege auf- 
gehoben oder mindestens stark eingeschränkt würde, um ein erneutes 
Volkswachstum zu verhüten“ 3). 
Mit diesen Betrachtungen sind wir auch in eine Zeit hinein- 
yekommen, für die in ganz anderem Ausmaße zuverlässiges Material] 
!) Nach Braun, a. a, O., S. 69. 
2) Vgl. dazu J. Marburg, Die sozialökonomischen Grundlagen d,. engl. Armen- 
solitik im ı. Drittel des 19. Jahrhunderts, 1912, S. 84. 
3) Marburg, a. a O., 5. 93.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.