Object : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

36
+

Descartes.

risch gegebenen Wahrnehmungsmaterial gegenübertreten und es
nach ihnen umformen: ein Grundgedanke, der zuerst von Nikolaus
 Cusanus in seinem Begriff der „Assimilation“ ausgesprochen
war und der uns seit ihm in immer reinerer Entwicklung begleitet.
 —
Die Frage, welcher Art das absolute Sein der Materie, des
Naturobjekts ist, kann uns jetzt nicht mehr beschäftigen und beirren.
 Der Gegenstand der Naturerkenntnis besteht, von dem
Standpunkt aus, den wir durch die bisherigen Entwicklungen
erreicht haben — und einen anderen. dürfen wir nach den Forderungen
 der Methode nicht kennen — allein in Verhältnissen und
Funktionen, die wir durch Proportionen zwischen Strecken
anschaulich darzustellen haben. Der Frage, was er darüber hinaus
noch sein möge, musste die Wissenschaft sich geflissentlich entziehen,
 um nur überhaupt einen sichern Anfang und Ausgangspunkt
ihrer Forschung finden zu können. Man kann sagen, dass Keplers
aesthetisch- wissenschaftliche Tendenz der Auflösung des Weltbegriffs
 in den Harmoniebegriff hier ihre erste, allgemeine
Begründung und philosophische Aufklärung gefunden hat. Wenn
weiterhin die Ausdehnung von Descartes als Substanz bezeichnet
 wird, so braucht auch hierin zunächst keinerlei Abweichung
von dem bisher eingehaltenen Wege gefunden zu werden. Da die
Erkenntnis kein anderes Material, als Raumgrössen und ihre Verhältnisse
 kennt, so ist auch das Sein des Objekts in ihnen hinlänglich
 bestimmt: sind doch Wahrheit und Sein Wechselbegriffe
‘Ja verite etant une meme chose avec Vlötre).3) Dieser Sinn der
‚Substantialität“ der Ausdehnung wird von Descartes besonders
 den sensualistischen Einwänden Gassendis gegenüber geltend
gemacht. Wenn ihm hier entgegengehalten wird, dass sein Begriff
des Raumes ein bloss mathematisches Gedankending sei und dass
es daher eine falsche Hypostasierung bedeute, ihn unmittelbar
in die Natur hineinzutragen, so gilt ihm dies als der „Einwand
aller Einwände“. „Denn wenn wir auf ihn hören, so müssen wir
folgerichtig alles, was wir wahrhaft verstehen und begreifen, aus
keinem andern Grunde, als weil es ein Werk unserer Einsicht
und unseres Verstandes ist, für die Darstellung der Wirklichkeit
 verwerfen. Jeder Weg zum Sein wäre somit verschlossen;
es sei denn, dass wir an Stelle des klaren und deutlichen Begrifts
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.