240 Zweiter systematisch-theoretischer Teil
völkerung herauszuarbeiten. Auf diese Weise sollten, genau wie bei
der geschichtlichen Betrachtung, die Probleme herausgearbeitet
werden, mit denen es die wissenschaftliche Behandlung dieser Fragen
zu tun hat und es sollte ferner dargelegt werden, welchen Möglichkeiten
der Stellungnahme wir diesen Problemen gegenüber in der
Literatur begegnen.
Zahlreiche Erscheinungen, die hierher gehören, sind im Vorangegangenen
besprochen, mancherlei Begriffe, wie: die der Überund
Untervölkerung, des Nahrungsspielraumes usw. sind
dabei gebraucht worden, ohne daß dabei bis jetzt eine genauere
Untersuchung und Erklärung dieser Erscheinungen gegeben worden
wäre. Die bisherigen Darlegungen in dieser Hinsicht waren alle
mehr oder weniger referierender Natur; denn eine eigene Stellungnahme
zu diesen Fragen ist nur möglich, wenn die ganzen Probleme,
die im Vorangegangenen nur mehr aufgerollt worden sind, einer
eingehenden, systematischen Betrachtung unterworfen werden. Das
zu tun, ist die Aufgabe dieses zweiten Teiles. Dabei sind es zunächst
zwei Faktoren, die bei dem Bevölkerungsproblem einander
gegenüberstehen und die zunächst eingehender untersucht werden
sollen. Einmal die Bevölkerung, bei welcher der Wirtschaft gegenüber
die Erscheinungen der Über- und Untervölkerung auftreten
können und sodann der Nahrungsspielraum, von dessen Größe und
Entwicklung es abhängt, ob diese Erscheinungen von Über- und
Untervölkerung auftreten. Daß sich dabei beide Betrachtungsweisen
in mancherlei Weise decken müssen, liegt auf der Hand; denn da
es sich um enge Wechselwirkungen beider Erscheinungen handelt,
so wird man häufig zu ähnlichen Problemstellungen kommen, ob
man nun die Beziehungen zwischen Bevölkerung und Nahrungsspielraum
vom Standpunkt der ersteren oder vom Standpunkt des letzteren
aus betrachtet.
2. Das Bevölkerungsoptimum. — In der Idee und als
wünschenswerten Zustand können wir uns ein Größenverhältnis
zwischen Volkszahl und Nahrungsspielraum vorstellen, bei dem die
erstere genügend groß ist, um mit ihrer Arbeitskraft unter den in einer
bestimmten Zeit gegebenen wirtschaftlichen und technischen Voraussetzungen
alle Gaben der Natur und des Landes in einem Maße
auszunutzen, daß damit der Ertrag der Arbeit und die Größe des
Nahrungsspielraumes ihren, unter bestimmten Voraussetzungen
höchstmöglichen Ertrag erreichen. Schon Sismondi hatte in dem
Vorwort zu der ersten Auflage seiner neuen Grundsätze der politischen
Ökonomie dieses Problem des Bevölkerungsoptimums aufgeworfen,