Contents: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die „interpsychologische“ Grundlegung der Nationalökonomie 497 
will (z. B. im Falle von Ausfuhrverboten, staatlicher Kriegs 
waffenfabrikation usw.); c) wenn Interessenkonflikte in bezug 
auf gewisse Güter entstehen (z. B. werden Maiskonsumenten es 
nicht gerne sehen, daß der Tabakbau in einer Gegend den Mais 
verdrängt). 
3. Die Gegensätze, die zwischen Produzenten und Kon 
sumenten entstehen: a) im Falle von Monopolpreisbildungen 
durch Trusts, Maximumgesetzen und staatlichen Preisfestsetzungen 
(Apotheken); b) wenn die Quantität oder die Qualität von vor 
handenen Gütern mit den Bedürfnissen in Widerstreit geraten 
(Krisen). 
4. Die Gegensätze finanzieller Natur, bei denen das Geld 
mit sich selber im Kampfe ist oder mit den Bedürfnissen der 
Produzenten und Konsumenten. Ersteres trifft zu, wenn ver 
schiedenartige Münzen auf demselben Markt um den Vorrang 
streiten, oder bei Münzverschlechterungen, wo der reale Münz 
wert zu dem nominalen in Gegensatz tritt, oder wenn das wirk 
liche Wertverhältnis von Gold und Silber dem gesetzlich fest 
gelegten nicht entspricht. Darum gehört die Frage des Bi 
metallismus hieher. Das Geld tritt in Gegensatz zu den Bedürf 
nissen der Produzenten und der Konsumenten, wenn es zu 
reichlich oder zu knapp auf dem Markte auftritt, d. h. wenn 
es der Menge der erzeugten Waren und der angebotenen Dienste, 
oder der Intensität des allgemeinen Tauschbedürfnisses quanti 
tativ nicht angepaßt ist; derselbe Gegensatz kann aber auch 
durch eine qualitative Nichtübereinstimmung von Geld und 
Tauschbedürfnis verursacht sein, wenn z. B. die Münzeinheit 
schlecht gewählt ist (franc und centime sind nach Tardes 
Ansicht zu niedrig bemessen), oder wenn die Münzstückelung 
unzweckmäßig ist 1 ). 
Was Tarde in allen diesen Erscheinungen interessiert, ist 
weniger deren ökonomische Natur, als ihr psychologischer 
Werdegang. 
Wenn die volkswirtschaftlichen Konkurrenz- oder Gegen 
satzerscheinungen sich zu akuten Konflikten zwischen Gruppen 
oder Massen von Individuen zuspitzen, so nennt man sie 
Krisen. Was alle Krisen, auch nichtwirtschaftliche, z. B. mini- 
») ibid. p. 57 ff. 
de Waha, Die Nationalökonomie in Frankreich, 
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