c) Die Produktionspraxis.
Der selbstverständliche Einwand auf unsere Feststellungen, dass
die physische — rein quantitative — Intensität der Arbeit in Amerika
im ganzen keine andere ist als bei uns, dass sie sowohl in den
modernen Unternehmungen wie in den unseren Werkstätten gleich-
artigen Betrieben eher etwas ruhiger ist, wird der sein, dass dennoch
eine höhere Produktivität der amerikanischen Arbeit im Vergleich
Zur deutschen nicht abzustreiten sei. Das ist richtig, diese Tat-
sache ist nicht abzustreiten, sie soll auch gar nicht abgeschwächt
werden, kommen wir doch mit ihrer Untersuchung zu einem
Hauptfaktor der amerikanischen Wirtschaftskraft.
Weniger aus der Theorie, dafür aber um so mehr aus der Praxis
heraus hat der Taylorismus in Amerika eine entscheidende Weiter-
entwicklung erfahren. Der Arbeiter ist gewissermassen aus dem
Mittelpunkt des Problems der Steigerung des Arbeitseffektes
herausgerückt worden. An Stelle der Untersuchungen über die für
den Arbeiter bei gegebener Arbeit höchstmögliche physische
Intensität und damit über seine höchstmögliche quantitative Leistung
hat eine Durchforschung des Gesamtbetriebes — als lebendige Ein-
heit gedacht — Platz gegriffen. Der Erfolg ist sinnfällig.
An die Stelle der Bemühungen um quantitative Maximalleistung
ist das Streben nach Optimalerfolgen getreten. Man darf sich dabei
keinen Täuschungen hingeben: Diese Entwicklung ist nicht von all-
gemeiner Menschenliebe getragen, sondern aus sehr realen Er-
wägungen heraus entstanden. Man hat begriffen, dass nicht nur
die menschliche Arbeit in ihrem Leistungseffekt verändert werden
kann, sondern dass das gleiche auch für die sämtlichen sonstigen
Elemente eines Betriebes möglich ist.
Die Zahl der Betriebselemente, die den Arbeitsertrag bestimmen,
ist viel höher, als gemeinhin angenommen wird. Im allgemeinen
Spricht man nur von Rohstoffen, Werkzeugen und Arbeitskraft.
Bei näherer Untersuchung zeigt sich aber, dass die den Leistungs-
effekt eines Betriebes bestimmenden Elemente sehr zahlreich sind,
man denke nur an Leitungsunkosten, Transportiragen (Transport
des Rohgutes innerhalb des Betriebes!), Absatzorganisation, Lager-
haltung usw. usw. Darüber hinaus gibt es noch weitere Elemente,
die den Arbeitseffekt mitbestimmen. Man denke hier an die Be-
deutung der Zeitdauer des Kapitalumschlages für eine Ware vom
Beginn ihrer Fertigung bis zum Absatz an den Käufer.
Die Unternehmerpraxis in den Vereinigten Staaten ist auch nicht
freiwillig zu der Erkenntnis gekommen, dass Optimalleistungen
durch entsprechende Behandlung der sämtlichen Elemente des
Arbeitseffektes vor der Quantitätstheorie, die auf der Intensivierung
der physischen Leistung des Arbeiters aufbaut, den Vorzug ver-
dienen. Die Erkenntnis ist durch die Konkurrenz erzwungen worden.
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