Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
Bantubevölkerung ist nicht gleichmäßig ver—
teilt. Mehr als ein Drittel der Gesamtbevölke—
rung wohnt zusammengedrängt auf einem Zwölftel
des Bodens in der Nordwestecke der Kolonie.
Vor der Inbesitznahme durch Deutschland produ⸗—
zierte die Bevölkerung wenig über den Bedarf.
Ackerbauprodukte kamen nur selten zur Ausfuhr.
Dagegen wurden die Ergebnisse der Sammel—⸗
tätigkeit (Kautschuk, Kopal usw.) und der Jagd
(Elfenbein) gegen leichte Baumwollgewebe um—
getauscht. Die deutsche Kolonialwirtschaft
zeigte drei Stufen. In der ersten machte man
planlose Versuche mit dem Anbau tropischer Pro—
dukte (Baumwolle, Tabak) in der Ebene, in der
zweiten Periode stieg man auf die gesunden Hoch—
zut verwaltet, vom rechtlichen wie ökonomischen
Standpunkt aus betrachtet. In letzter Hinsicht
st die deutsche Regierung unternehmungslustiger
ils unsere eigene gewesen, in bezug auf Ein—
ührung und Anpassung neuer Gewächse. Kaut⸗—
chuk und Sisal haben die Deutschen jahrelang
vor uns gebaut, so daß sie bereits große Mengen
uusführen, wo unsere Pflanzungen sich erst zu
ntwickeln anfangen.“ Die „Times“ schrieben
noch am 24. Mai 1916: „In Teutsch-Ostafrika
vurden niemals halbe Maßregeln ergriffen. Die
Möglichkeiten des Landes wurden erkannt und
nach kaufmännischen Gesichtspunkten ausgewertet.
Dabei ist die organisierte Wissenschaft dem Pflanzer
wußerordentlich zu Hilfe gekommen. Die Vorzuͤge
Abbildung 10
Elfenbeinkarawane in der älteren Zeit Deutsch-Ostafrikas
länder und legte, teilweise unter Leitung von
Pflanzern aus Java, Kaffeepflanzungen an. Die
Ergebnisse, waren zufriedenstellend, dis die brasi—
lianische Überproduktion den Preis unter die
Rentabilitätsgrenze drückte. In der dritten
Periode stieg man wieder in die Ebene herab;
die Malaria, die zu bekämpfen und der vor—
zubeugen Robert Koch gelehrt hatte, erschien
nicht mehr als unüberwindlicher Feind. Weite
Ebenen bedeckten sich mit Kulturpflanzen, die
aber nicht mehr „Kolonialprodukte“, sondern
Rohstoffe für unsere Industrie lieferten, mit
Qautschuk⸗ und Sisalplantagen, deren Ausdehnung
nur an den immer schwieriger werdenden Arbeiter
verhältnissen eine Grenze fand. „Deutsch⸗-Ost—⸗
afrika“, schreibt der Gnideto South and ERast-
africa (London 1914) „ist fruchtbar und wird
und Schönheiten des biologisch-landwirt—
chaftlichen Instituts Amani können über—
aupt nicht übertrieben werden, wo ein Stab von
Krofessoren, Botanikern, Zoologen und Chemikern,
ie mit ihrem Fache vollständig vertraut waren,
»en Pflanzern, für die ein gut eingerichtetes
Unterkunftshans bereit stand, Auskunft und Be—
ehrung erteilten.“ 1913 wurden für 81/, Mill. M
Llantagenkautschuk (Manihot Glaziovii) und für
»143 Mill. MeSisal, für je 2 Mill. M Baum—
volle und Kaffee, für 11/, Mill. Me Kopra, für
Mill. M Häute und für 800000 M Wachs
zusgeführt. Auch Zedernholz (Juniperus) zur
Bleistiftfubrikation wurde in den Wäldern am
Vestusambara gewonnen und auf einer kühnen
Drahtseilbahn zu Tal gebracht. Die Produktion des
andes stieg von 1894 bis 1912 von knapp 5 auf