Einleitung.
mit der Mitte des 12. Jahrhunderts, mit dem ersten Ausgang
des großen religiös-kirchlichen Streites, mit dem Emporkommen
der Staufer gelangt sei?
Längst lag damals das Zeitalter symbolischer Vorzeit hinter
ihm; nur in die ersten Jahrhunderte unserer beglaubigten Ge—
schichte ragt es noch hinein, und was wir von ihm wissen,
verdanken wir, abgesehen von dem Ergebnis schwieriger Schlüsse
aus später noch vorhandenen Niederschlägen früherer Entwickelung,
allein der klassischen Überlieferung der Römer und Griechen.
Denn Zeitalter symbolischen Denkens sind an sich geschichtslos;
in unbewußter Jugendlichkeit verbringen die Völker, den Einzel—
individuen gleich, die Wiegenzeit ihrer Entwickelung.
Mit dem Übergang zum Mittelalter pflegt die geschichtliche
Überlieferung im Gewande des Heldensanges und der aus Helden—
sängen zusammengeballten Sage einzusetzen. Es ist bei den
Deutschen allerfrühestens die Mitte etwa des 3. Jahrhunderts
nach Christus; aus dieser Zeit tönt uns in der Sage der Name
des historisch beglaubigten Königs Ostrogotha entgegen I. Es ist
zugleich die Zeit. da diejenigen germanischen Stämme, deren
Masse später die deutsche Nation bilden sollte, die ersten Ver—
suche unternahmen, dauernd seßhaft zu werden und endgültig
zu festem Ackerbau überzugehen.
Von hier ab dehnt sich das deutsche Mittelalter aus bis
zu den Pforten des 16. Jahrhunderts; erst im 15. Jahrhundert
beginnt auf deutschem Boden die Geldwirtschaft völlig und überall
zu siegen über die naturalwirtschaftliche Haltung der Nation und
alles überwindenden Einfluß zu gewinnen auf die Bildung des
staatlichen Lebens im Reiche und vornehmlich in den Territorien,
sowie auf die weitere Entwickelung der deutschen Gesellschaft.
Erst seit dieser Zeit darf man mit voller Sicherheit vom auf—⸗
keimenden Individualismus in der Kunst, vom Erwachen wahrer
Wissenschaft sprechen; erst jetzt bringt vor allem die Reformation
die große Errungenschaft persönlicher, individualistischer Frömmig—
S. Bd. J S. 339.