66 Zweiter Teil. Landel. III. Zur Geschichte von Landet und Industrie.
Griechen. Llnter Pcrikles wurde Athen die wichtigste Landelsstadt im östlichen Mittel
meere. Sie tauschte ihre Produkte, wie Olivenöl, Feigen und kunstgewerbliche Erzeug
nisse aus Stein, Ton und Metall gegen Getteide, Läute und Schiffbaumaterial von
der Nordküste des Schwarzen Meeres, Metalle von den Inseln, Texttlwaren von
Persien, Phönizien und Ägypten. Die Landelseinrichtungen Athens zeugen für die
Intensität des Landelsverkehres und den Grad der staatlichen Fürsorge, denn es
bestanden Warenmagazine für die Lagerung der Waren, sowie Verkaufshallen, eigene
Gerichte für die Landelsstreitigkeiten, Gesetze über die Zollabgaben, über die See
darlehen unter Verpfändung des Schiffes oder der Ladung usw. Außer Athen hat
sich auch Korinth durch seine günstige Lage emporgeschwungen. Eine Zeitlang be
hauptete Rhodus eine beherrschende Stellung im Ägäischen Meere; das Seerecht von
Rhodus, welches zum erstenmal gewisse Grundsätze für den Schiffahrtsverkehr auf
stellte, hat sich bis in die mittelalterlichen Rechtssahungen gleicher Art fortgepflanzt.
Das Weltreich der mazedonischen Lerrscher machte der Stellung der Griechen als
Landelsvolk ein jähes Ende.
Nach der Zerstörung von Korinth und Karthago wurde Rom zur ersten
Landelsmacht, schon infolge seiner politischen Machtstellung. An und für sich besaßen
die Römer wenig Befähigung für den Landelsbettieb. Sie begnügten sich auch dann
noch, als ihnen durch die griechischen Ansiedelungen die Möglichkeit des Bezuges
fremder Produkte gegeben war, mit den heimischen Erzeugnissen; es blieb lange ihr
Ideal, im Laushalt alles zu erzeugen, was im Laushalt gebraucht wurde. Dabei
galt nur der Ackerbau als eine des Bürgers würdige Beschäftigung, während Gewerbe
und Landel vorwiegend Sache der Sklaven waren. Die Unterwerfung Karthagos
aber drängte die Römer auf die See. Die erfolgreichen Kriege machten die Bürger
mit dem Luxus des orientalischen Lebens bekannt und entfremdeten sie zugleich den,
Ackerbau. Der Landel brachte alles, was man sonst mit großer Mühe und Gefahr
selbst produzieren mußte, zu billigen Preisen ins Land. Die wichtigsten Plätze des
Welthandels waren ohnedies unter römische Lerrschaft geraten. So bahnte sich denn
allmählich auch der kaufmännische Unternehmungsgeist seine Wege. Aber nicht bloß
zur See, auch zu Lande drang der Landel gegen Norden vor. Der Ausbau der
Kommunikationswege in der Kaiserzeit war zwar hauptsächlich unter dem Gesichts
punkt der militärischen und zivilen Verwaltung erfolgt, diente jedoch in zweiter Linie
gleichzeitig dem Landclsverkehre. Der Export ging zumeist nach Norden, indem
italienische Kaufleute Wein, Früchte, Schmuckgegenstände usw. nach dem nördlichen
Gallien und nach Deutschland brachten. Der weit größere Einfuhrhandel benutzte
den Seeweg und wurde fast ausschließlich durch Griechen, Ägypter, Syrier usw. ver
mittelt, war also passiv. Der Import wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. auf etwa
100 Millionen Sesterzien (ca. 22 l k Mill. Mark) beziffert, bewegte sich also noch in
ziemlich engen Grenzen. Bei dem Mangel an Interesse der heimischen Bewohner blieb
auch die Landelsgesetzgebung ziemlich vernachlässigt. Die Abgaben für den Verkehr zu
Lande und zur See waren sehr drückender Natur, die Einnahmen waren an General
pächter vergeben, die Landelspolitik war demgemäß von rein fiskalischen Gesichts
punkten beherrscht.
Die Wanderungen der germanischen Stämme führten zur Zertrümmerung des
römischen Reiches. Die Osthälfte des Reiches erstand als griechisches Kaisertum mit
der neuen Lauptstadt Konstantinopel, welche nun einen Teil jener Rolle übernahm,
die bis dahin Rom als Mittelpunkt des Welthandels gespielt hatte. Ihre außer
ordentlich günstige Lage ließ sie als Stapelplatz für den Landelsvcrkchr mit Vorder
asien als prädestiniert erscheinen. Griechische Künstler und Gewerbetreibende haben
auch zur Einführung einzelner Zweige der gewerblichen Tättgkeit, wie der Seiden
industrie, der Metallverarbeitung usw. beigetragen. Der auswärtige Landel nahm