digen-Gutachten war ja die Anleihe von 800 Millionen
Goldmark für Deutschland. Am deutlichsten drückt
sich diese Ansicht in der Meinungsäußerung von
Francis Sisson, dem Vizepräsidenten der Guaranty
Trust Company, also eines Mannes aus der Morgan-
gruppe, aus, Sisson erklärte, diese Anleihe sei aus-
schließlich eine Angelegenheit der privaten Kapitals-
anleger. Weder die Banken noch die Regierungen
übernähmen Bürgschaft für sie. So sei die Politik ganz
ausgeschaltet. Auf diese Weise sei es aber von grund-
legender Bedeutung, daß der Geldgeber mit seiner
Sicherheit zufrieden sei, und der amerikanische Kapi-
talist werde ausländische Wertpapiere nicht kaufen,
wenn er an die Möglichkeit glauben müsse, daß die
eine oder die andere Macht eine gesonderte Aktion
(soll heißen Sanktion) einleiten werde und in der Lage
sein könnte, der übrigen Welt gegenüber eine dikta-
torische Haltung einzunehmen, Zur Sicherheit wurde
übrigens gefordert, daß die Vereinigten Staaten ein
Pfandrecht erster Ordnung auf die Anleihe erhalten
sollten,
Die amtliche Haltung der Vereinigten Staaten
während der Londoner Konferenz bewegte sich auch
ganz auf der von den Bankiers vorgezeichneten Linie.
In amtlicher Eigenschaft waren nur anwesend der
amerikanische Botschafter in London, Kellogg, und
der amerikanische Botschafter in Berlin, Houghton.
Als „Beobachter“, „Privatleute“ usw. aber befanden
sich in London der Staatssekretär des Äußeren Hughes,
der Staatssekretär der Finanzen Mellon, der Be-
obachter beim Reparationsausschuß General Logan,
ferner Owen Young und Thomas W., Lamont von der
Firma Morgan & Co. Morgan selbst sollte in wenigen
Tagen eintreffen, ebenso ein Vertreter der Firma
Kuhn, Loeb & Co.
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