384
Warnebold (dies unter uns). Er wünscht mich und „meine
großen Talente im Interesse des deutschen Volks zu verwerten“.
Von Bennigsen wird „mür‘“ Morgen aufwarten.
Wir zwei haben doch eine ganz andere Stellung in Deutschland,
namentlich unter dem „gebildeten“ Beamtentum, als wir wissen.
So z. B, der Vorsteher des hiesigen statistischen Bureaus, Merckel,
besuchte mich und sagte mir, er habe jahrelang über die Geld-
geschichten vergebens studiert, und ich habe sofort die Sache ein
für allemal ins Klare gebracht. „Ihr Dioskur Engels,“ sagte er
mir, „ist kürzlich von meinem Fachgenossen Engel in Berlin vor
der königlichen Familie anerkannt worden.“ Dies sind Lappalien,
aber sie sind wichtig für uns. Unser Einfluß auf dies Beamten-
tum ist größer als auf die Knoten.
Ich war auch eingeladen bei der Gesellschaft der „Europäer“,
So nennt man hier die preußenfeindlichen, norddeutschlichen Na- ıs
tionalvereinler. Esel!
Auch der Chef (Haupichef, sagt Stieber) des hiesigen Eisen-
bahnwesens hat mich eingeladen. Ich ging hin, er hatte guten
Maiwein, eine „bejeisterte Frau“ und dankte mir beim F ortgehn
„für die große Ehre“,
Ich habe eine Ehrenschuld an Mr. Wheeler — 10 £ —, Mit-
glied unsres Council und Manager der „Empire Insurance Cor-
poration“, abzutragen. Du verpflichtest mich sehr, wenn Du ihm
das Geld: „G. Wheeler, Esq., 27, Gresham Street, E. C. Pri-
vate‘“ (London) in meinem Auftrag schickst. Auch fürchte ich 25
sehr, daß meine Familie in London „in profundis“. Es ist mir um
so schmerzlicher, da der Geburtstag des armen, guten Jennychens
1. Mai. Um einen Geldcoup zu machen, habe ich Netze ausge-
worfen. Ich muß den Erfolg abwarten.
Ich habe mich außerordentlich erholt, Keine Spur des alten z
Übels. Dazu, trotz schwerer Verhältnisse, guter Humor, ohne
Leberanschläge.
Schreib mir umgehend (Adresse: Dr. Kugelmann, Hanno-
ver) ein paar Zeilen. Salut an Mrs. Burns.
Dein Mohr. 365
Freiligrath blamiert sich durch seine öffentliche Bettelei in
Deutschland. Meißner sagt mir, er sei in Norddeutschland ver-
schollen.
16-—
Ü