Full text : Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Eigenart sie nur als eine Ergänzungssteuer von geringer
Höhe brauchbar erscheinen läßt, vielfach zur drückendsten
 deutschen Abgabe geworden ist. Für die
Wirtschaftssozialisierung, mit der die ‘radikalen Parteien
im Reiche bekanntlich steckengeblieben sind, bietet die
kommunale Besteuerung in ihrer heutigen Form äußerst
wirksame Handhaben. In den meisten großen Gemeinden
ist die Bahn zum sozialistischen Steuerziel,
wie es oben gekennzeichnet worden ist, bereits — theoretisch
 betrachtet — völlig frei. Bei Fortbestehen der gegenwärtigen
 Gesetzgebung besteht namentlich auch für den
Mittelstand ständig die Gefahr, der Gewerbesteuer
 zuerliegen.
Die größten Fortschritte hat der Sozialismus bisher
wohl auf dem Gebiete der Landwirtschaft zu verzeichnen.
 Hier wirkt namentlich auch die unzureichende
Zollgesetzgebung, auf die hier nicht näher eingegangen
 werden soll, in Richtung der  Sozialisierungsbestrebungen.
 Aber auch die heutigen Steuerforderungen
 können von großen Teilen der Landwirte nicht
mehr erfüllt werden. Obwohl Stundungen an der Tagesordnung
 sind, macht der Zusammenbruch, namentlich
der großen und mittleren‘ Betriebe, reißende Fortschritte
 und auch die eigentliche Bauernwirtschaft wird
mehr und mehr in den Strudel des Unheils mit hineingezogen.
 An der bisherigen verhängnisvollen Entwicklung ist
es aber manchen Politikern noch nicht genug. Dies beweisen
die Vorschläge des Prof. Aereboe, auf die hier besonders
 hingewiesen sei, weil sie in ganz ausnehmendem Maße
aufschlußreich - für die Bestrebungen besitzgegnerischer
Kreise sind, wobei es natürlich vollständig gleichgültig ist,
welche Absichten Prof, Aereboe persönlich mit seinen Vorschlägen
 verfolgt.
Nach Aereboe soll für die Landwirtschait eine sogenannte
Einheitssteuer eingeführt werden,
Diese Steuer würde sich im wesentlichen der heutigen
Grundvermögenssteuer anzupassen haben. Kennzeichnend
 für sie wäre also, daß die Schulden von dem
steuerpflichtigen Vermögen nicht abgezogen werden dürfen.
Außerdem aber soll nach Aereboe diese Steuer progressiv
 gestaltet sein und also besonders den großen
Grundbesitz treffen. Prof. Aereboe gibt selbst zu —
2ain gleiches werden auch die meisten seiner Anhänger
tun —, daß diese Steuer dazu bestimmt ist, den großen
Besitz zu zerschlagen. Bisher ist wohl noch niemals
 inder deutschen Steuergesetzgebung
dierein sozialistische Tendenz der Besitzkonfiszierung
 SO klar hervorgetreten, wie
in den Aereboeschen Plänen. Die ganze
Wirtschaft müßte es mit höchstemiInteresseverfolgen,
 wiehier zum erstenMaleversucht
 wird, fast ohne jeden Beschönigungsversuch
 große Teile der Staatsbürger im
Wegeder Steuer zu enteignen. Dabei soll hier
noch gar nicht die Rede davon sein, welche unerhörte Ver-137

            
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