Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

<önnte. Neben der Gewinnung einer klareren Vorstellung 
vom Wesen und von der Bereinigung der Kulturkrise muß 
sich das Unternehmertum auch viel mehr als bisher be- 
zümmern um die Problematik des Neubaues der 
Gesellschaftund des Staates, um die ideelle 
Ueberwindung der Klassenlage des deut- 
schen Arbeitertums usw., alles Dinge, denen man 
nur geistig, niemals mit materiellen Ueberlegungen bei- 
kommen kann. Politisch muß sich das Unternehmertum 
von dem Gedanken frei machen, daß auf dem Boden der 
Demokratie, so wie diese ‘heute in Deutschland gemiß- 
araucht wird, für ‚die deutsche Wirtschaft irgendetwas 
Positives und Förderndes erzielt werden könnte. 
Ein Staatswesen, das auf Massenparteien aufgebaut 
ist, erliegt immer wieder den Forderungen der 
Popularität und der daraus resultierenden Demagogie; 
lemgegenüber werden die Vertreter einer harten Pflicht- 
auffassung, wie sie besonders auch von einer verarmten 
Wirtschaft geäußert werden muß, immer in der Minderheit 
und in der Unpopularität, bleiben; jene Wirtschaftler, welche 
lie Krankhalftigkeit unserer wirtschaitlichen und politischen 
Zustände erkennen, machen sich ja gerade dadurch unbe- 
liebt, weil sie den Optimismus,- die Modekrankheit des 
neuen Deutschland, stören. Auch eine. Rechte muß im 
Parlament, sofern sie auf dem Massengedanken aufgebaut ist, 
10tgedrungen wirtschaftsfeindliche Politik treiben, weil sie 
iur so der Konkurrenz der linksstehenden Massenparteien 
begegnen zu können glaubt. Erkenntnisse und Willen zur 
Durchsetzung dieser Erkenntnisse sind immer nur von 
Minderheiten ausgegangen. Dieser Tatsache sollte sich 
das Unternehmertum mehr als bisher bewußt werden; es 
sollte vor allem daran denken, daß — wie neulich noch die 
„Vossische Zeitung“ offen ausgesprochen hat — einer 
sachlichen Betrachtung wirtschaftlicher Dinge nach 
‚demokratischer‘“ Auffassung 
die Erfüllung gewisser parteipolitischer Wünsche 
durch die Industrie 
vorauszugehen hat. Die Hauptsache ist aber der unbedingte 
Wille zur Durchsetzung der als richtig anerkannten An- 
schauungen. Fine der größten Schwächen des ,Unter- 
nehmertums ist die, über dieses Wollen, das natürlich 
Opfer kostet, kaum noch zu verfügen. Die Notwendigkeit, 
zur Macht zu kommen und diese auszuüben, haben die 
Linksparteien und die Gewerkschaften erkannt und ver- 
wirklicht. Sie besitzen nicht nur ein ‚Programm und ein 
Ziel, sondern vor allem auch eine von jeder doktrinären 
Deberlegung freie Entschlossenheit zur Durchführung. Da- 
gegen hat das Unternehmertum weder ein über wirtschaft- 
liche Interessen hinausgehendes zugkräftiges Programm, 
zeschweige denn den Willen zu seiner Durchsetzung, Es 
wendet sich nicht einmal dagegen, daß die finanziellen und 
zolitischen Kosten der Auseinandersetzung zwischen Kom- 
nunisten und Sozialisten sowie das Vordringen des So- 
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