zialismus vom Bürgertum getragen worden sind und stän-
lig noch getragen werden; denn die von ihm aufgebrachten
Steuern dienen nicht nur der Verwirklichung der aus Kon-
kurrenzgründen immer höher geschraubten Ansprüche an
len Versorgungsstaat, sondern VOr allem auch der Er-
möglichung einer Personalpolitik, die politisch gut Ge-
sinnte auf Kosten der Allgemeinheit belohnt, Diese Ent-
wicklung ist jetzt so weit gediehen, daß infolge der viel zu
sang geübten Passivität nicht nur die politische Position
jer Vertreter „bürgerlic her“ Gedanken weitgehend
zeschwächt worden ist, sondern daß vor allem auch
weite Teile der Arbeiterschaft zu der Ueberzeugung
von der Ausschaltungsmöglichkeit des Unternehmer-
tums
zus dem Produktionsprozeß gelangt sind, weil von seiner
aktiven Gegenwehr nicht mehr viel zu merken ist, so daß
man die Notwendigkeit seiner Beibehaltung praktisch und
nach außen hin immer weniger sieht. Wenn die Dinge so
weitergehen wie bisher, ist auf jeden Fall unausbleiblich,
daß die Masse der Indifferenten, die erfahrungsgemäß
immer der Anziehungskrait der stärksten und ent-
schlossensten Partei unterliegt, sich zu der Seite
wendet, auf der sichtbare Erfolge nicht nur in sozial-
politischer, . sondern auch im personeller Hinsicht zu er-
Hlicken sind. Die gesteigerte Anziehungskraft der Sozial-
demokratie auf die Kreise der Beamten und Angestellten ist
in dieser Beziehung sehr kennzeichnend. Wenn erst die
wirtschaftsdemokratischen Bestrebungen in größerem Um-
jange verwirklicht worden sind, wird eine über das bis-
herige Maß noch hinausgehende Stärkung dieser Partei
die unausbleibliche Folge sein. Daher Caveant Consules ...
Zur Wirtschaftsdemokratie,
Berlin NW 10, den 13. September 1929.
Wirtschaftsdemokratie — ja, wenn sie bedeutet, daß nach
den Erfordernissen jeder echten Demokratie jeder an seiner Stelle
das Beste leistet, was er vermag, wenn sie bedeutet, daß jeder sich
verantwortlich fühlt für die Gesamtheit, wenn jedem die M öglichkeit
gegeben wird, das zu erreichen, was er kann.
Wirtschaftsdemokratie — nein, wenn sie an Stelle der indivi-
duellen Verantwortlichkeit die Verantwortlichkeit eines Organes
setzen. will, wenn sie die Auswahl der Führer der Wirtschaft dem
Stimmzettel anvertraut, wenn sie aus dem Werk ein Parlament
macht.