die ja der eigentliche Ausdruck des Massenseins und der
Massenherrschaft ist, ‘
_ Diese ‘allgemeine Anerkennung kollektivistischer Ge-
danken liegt aber nicht nur begründet in der Dropagan-
distischen Kraft der sozialistischen Lehre und des
Positivismus, sondern auch in der unleugbaren Ueber-
spannung des individualistischen Prinzips
in der Vergangenheit. Erst die‘ Angriffe des
Kollektivismus haben die Lehre, daß. ldeen und Män-
ner die Geschichte machen, vor. Uebertreibung gereinigt
und zugleich wesentlich vertieit. Denn die eingehende
Forschung hat jene geheimnisvolle Wechselwirkung von
Finzelnem und Zeitgeist. Held und Massen, Führer und
Geführten deutlicher gemacht und doch. im Kern
den unersetzlichen Wert des Individuums
und der Ideen für den Fortschritt der Geschichte bewiesen.
Dem Kollektivismus und Determinismus in seiner
extremsten Form ist dann der Boden entzogen, wenn man
Cie „Geschichte“ vom „Geschehen“. die „Kultur“ von der
„Natur“ trennt. sowie man anerkennt, daß der Mensch dem
bioßen natürlichen Kausalzusammenhang dann überlegen
ist und also über ihm steht. wenn er Kultur uud
Geschichte schafft, wenn man anerkennt, daß es
ein Reich des Geistes, schöpferisch-geistiger Kräfte, sitt-
licher Werte, kurz des Solls und der Freiheit gibt, das
dem Reiche der Kausalität, der Determiniertheit, kurz des
Seins schlechthin überlegen ist,
Dieses Reich der Werte. der Kultur, des Solls, der
(Geschichte bauen aber nicht nur die Großen, die Helden,
He dazu ist jeder Menschan sich berufen:
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die große Masse besteht zugleich aus „potentiellen
Persönlichkeiten‘
von denen allerdings zweifelhaft ist, ob sie ie zur Aus-
wirkung kommen, und die wieder abhängig sind von den
besonderen Zeitumstähden und der Zeitlage. Denn nicht
in jeder Epoche kann ein Goethe dichten, nicht in jeder
ein Napoleon seine Siege erfechten. Und doch "liegt. es
nicht so, daß der einzelne bedeutende Mensch gar nicht
aus den Schranken seiner Zeit heraustreten kann. Zwar
ist er zweifellos ein Geschöpf ‚seiner Zeit und Seiner
Umgebung — aber er ist zugleich auch ihr Gestalter und
Führer. Als Luther die Alleinherschaft der römischen
Priesterkirche stürzte. blieb er zwar ein Mensch des auS-
gehenden Mittelalters in allen seinen Schranken, aber ‚er
gestaltete. in dem er aussprach, was Millionen Herzen be-
wegte, zugleich die ganze Zukunft der Menschheit. Ja.
man kann sagen, daß der Menschumsobedeuten-
der ist, je größer dasjenige Stück seines Wesens. seiner
Gedanken, seiner Ideale ist, das au Berhalbder Zeit-
bedingtheit seiner Epoche steht. das also schon
der Zukunft gehört, Gerade wegen der Erhabenheit ‚des
lJdeals, das sie der trüben Wirklichkeit gegenüberstellen,
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