Full text : Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

gegenüber der Privatwirtschaft in ‚rechtlicher und wirtschaftlicher
 Hinsicht sowie die. immer $ tärkere Einfügung
 von Repräsenıativorganen der „Sozialen
 Parteien“ in die wirtschaftlichen und sozialpolitischen
Selbstverwaltungskörper, ja sogar, wie das Betriebsrätezesetz
 zeigt, in die privatwirtschaftlichen Unternehmungen.
Der Gedanke an „den großen Kladderadatsch“
ist damit endlich ausgeschifit. Staat und Demokratie
 sind dem Sozialismus Mittel für eine
evolutionäre Gesellschaftsreform geworden.
Damit ist aber das Verhältnis zwischen Sozialismus und
Demokratie noch nicht erschöpft. Der demokratische Gedanke
 ist für den ‚Sozialismus keineswegs auSschließlich
 eine geistige und praktische
Uebergangsposition, sondern ein konst#tutiver Bestandteil
 seines Staats- und Wirtschaftsaufbaues überhaupt,
 den er ohne ganz besonderen Grund gar nicht mehr
zu verlassen gedenkt. Jahrzehntelang hat der Sozialismus
keine konkrete Antwort auf die Frage geben können, wie er
sich denn eigentlich den Aufbau seiner künftigen Gesellschaftsordnung
 dächte. Daß es ausgerechnet die Mittel der
Staatsherrschaft wurden, ‚die es ihm gestatteten, seiner
Politik einen konkreten Ausgangs- und Fußpunkt zu geben,
ist eine der Tücken der Weltgeschichte, mit denen diese
selbst den allwissenden Marxismus nicht verschont. Indem
nun der Sozialismus Staat und Wirtschaft sowie alle Verbindungsstellen
 zwischen beiden der öffentlichen Demokratie
und damit der maßgebenden Mitbestimmung durch seine
Vertreter unterwirft, „die Gesellschaftskontrolle über die
individuelle Unternehmerwirtschaft“ (Vorwärts) - durchführt,
 schafft ‚er in ‘vorsichtiger und keineswegs
sehr schöpferischer Anlehnung an die Entwicklung
der privaten Wirtschaft den Verwaltungsorganismus,
 dessen er sich künftig bedienen will.
Das heißt also,

in der Wirtschaftsdemokratie verwirklicht sich der
Sozialismus im iormalen Sinne:

zu seiner materiellen Verwirklichung gehört nach
Vollendung des wirtschaftsdemokratischen Aufbaues nur
noch die Enteignung der Besitzer an den
Produktionsmitteln, die „alte Expropriation der
Expropriateure“. Man kann daher die Gleichung aufstellen:
 die vollendete. Wirtschaftsdemokratie = Soziaüismus
 — Expropriation. >
Damit ist aber.auch die Gefahr der Wirtschaftsdemokratie
 klar herausgestellt. Es bedeutet unter diesen Umständen
 nicht viel, wenn von seiten der neutralen. Gewerkschaitsrichtung
 betont wird, „daß es sich in der Demokratisierung
 der Wirtschaft nicht um eine einfache Ueberzangserscheinung
 zu einem bestimmten Wirtschaftssystem,
etwa dem sozialistischen, handelt“ (Max Rößiger). Die
vollendete Wirtschaftsdemokratie führt, wie ersichtlich,
unsere Wirtschaft tatsächlich so hart an den Sozialismus
heran, daß nicht viel. mehr dazu gehört, um, wie es das
53
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.