Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Gemeinden, die in Nordamerika zur Förderung der soziali- 
stischen Theorie und als Propagandamittel eingerichtet 
wurden. Die Versuche fallen in die Zeit von 1825 bis 1830. 
3a. Die Gemeinden nach Fourier. Begründet 
von amerikanischen Anhängern der Lehre Fouriers, be- 
mühten sie sich, dem Ideal der in seinem System als 
„Phalangen“ bezeichneten industriellen Gemeinden 
nahezukommen, und die meisten von ihnen nannten sich 
auch so. Diese Experimente dauerten von 1840 bis 1850; 
sie waren das erste sozialistische System, das zu einer 
großen Bewegung wurde, 
4. Die ikarischen Gemeinden, Sie sind eine 
Reihe von Versuchen, die aus einem Unternehmen des 
Franzosen Cabet hervorgingen und, obwohl auf 
amerikanischem Boden befindlich, fast ausschließlich auf 
Franzosen beschränkt waren. Die Urgemeinde Ikaria 
wurde 1848 gegründet; ihre zahlreichen Ableger. die aus 
ständiger Spaltung hervorgingen, bestanden jahrzehntelang. 
In den 50er Jahren entwickelte diese Bewegung vorüber- 
gehend eine gewisse Kraft, war, aber nachher von mini 
maler Bedeutung und fristete ein kümmerliches Dasein. 
Die gemeinwirtschaftlichen Versuche in den Vereinigten 
Staaten erstrecken sich also über einen langen Zeitraum; 
sie liefern eine Fülle interessanten Materials, Am auf- 
jälligsten ist das ungleiche Maß von Erfolg, den 
die verschiedenen Grurpen erzielen. Die sektiererischen 
ader . 
relieiösen Gemeinden sind am erfolgreichsten gewesen, 
sowohl hinsichtlich ihrer Lebensdauer als auch ihres ma- 
teriellen Wohlstandes; die meisten von ihnen haben ein 
halbes bis ein ganzes Jahrhundert bestanden; einige haben 
ein großes Vermögen aufgehäuft, alle übrigen lebten in 
verhältnismäßigem Wohlstand. Die Laufbahn der „nicht- 
religiösen‘ war dagegen in der Regel kurz und voll 
Mühsal. Die durchschnittliche Lebensdauer der Owen- 
schen Gruppe betrug zwei Jahre; die der Phalangen 
Foyriers, mit wenigen bemerkenswerten Ausnahmen, war 
nicht länger; die ikarischen Gemeinden befanden sich 
tast dauernd im Zustande der Auflösung. Fast alle lebten 
Jazu in tiefster Armut. 
Diese Ungleichheit ist durch verschiedene Theorien zu 
arklären versucht worden. Man hat gemeint. daß die reli- 
ziösen Gesellschaften an ihrer Sritze besonders starke und 
anergische Führer gehabt haben, und daß dies den Erfolg 
verbürge; andere sprachen die Ansicht aus, daß die Reli- 
gion die erhaltende Kraft der Gemeinschaften und für den 
Erfolg gemeinwirtschaftlicher Experimente unentbehrlich 
sei. Beide «Erklärungen sind recht oberflächlich. Sehr 
arfolgreiche religiöse Gemeinschaften 
haben nie einen überragenden Führer ge- 
habt: schreiende Mißerfolge traten. ein trotz der Führer- 
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