Full text : Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

U

Wenn man überhaupt den politischen Begriff Demozratie
 auf das Gebiet des Wirtschaftiichen anwenden will,
kann man wohl die

Kartelle als demokratische Organisation

bezeichnen, etwa in dem Sinne, wie dies auch von unserem
Aktienrecht geschieht. Demokratie bedeutet dann,
laß niemand ausgeschlossen ist, daß auch die
Kleineren und Schwächeren die Möglichkeit haben, ihre
interessen zu vertreten. Und das ist bei den Kartellen
der Fall.
Aber die Kartelle sind ja überhaupt nicht in dem Sinne
„kapitalistische“ Organisationen, daß das Kapital
sich in ihnen wirksam erweist. Sie sind im Gegensatz zu
den finanziellen Zusammenschlüssen der Trusts und
Konzerne Organisationen auf rein vertragsmäßizer
 Grundlage. ‚Sie können daher auch von
Ahichtkapitalistischen Wirtschaftsperzonen
 geschlossen werden, und die Vereinbarungen
der Kleingewerbetreibenden und Kleinhändler.
aber auch die der Arbeiter und liberalen Bernfe
sind ihrem Wesen nach von den Kartellen
nicht verschieden: Richtig ist nur, daß sie, bekanntich
 wegen des Kapitalrisikos, in der mit viel Kapital arzeitenden
 Großindustrie die größte Bedeutung er-'angt
 haben. Aber sie als „kapitalistisch‘“ zu bezeichnen
 und den in ihnen herrschenden „Wirtschaftsgeist“
 als völlig verschieden von den ÖOrganisationen
 der Arbeiter hinzustellen, ist Tendenz,
Die „Demokratisierung“ der Kartelle und verwandter
 Organisationen ist in dem Buche über Wirtschaftsdemokratie
 Gegenstand des ersten Abschnittes, der
den Titel führt: „Von der freien Konkurrenz
zum organisierten Kapitalismus“ und in dem
auf die Tendenz zu: Monopolbildungen hingewiesen wird.
Da ist es num sehr bezeichnend daß mit keinem Worte
davon die Rede ist daß
die Arbeiterschaft ia g2»nau den gleichen Weg
beschritten
hat. Auch sie ist immer mehr von der freien Konkurrenz
zu monopolistischen Organisationen, vom isolierten Arbeiter
 zum festgeschlossenen Gewerkverein
gelangt. Es ist also ganz unwissenschaftlich. wenn genau
die gleiche Entwicklung bei den Arbeitern völlig ignoriert
wird, Das ist nur möglich, weil hier eine Auffassung zur
praktischen Anwendung gelangt. die auch in der bürgerlichen
 Nationalökonomie heute noch eine große Rolle spielt
und deren markantester Vertreter W. Sombart ist,
die aber, wie‘ ich mehrfach betont ‚habe (Das Geldertragsstreben
 als Organisationsprinzip
des Tauschverkehrs, Zeitschrift für Nationalökonomie,
 Jahrgang 1, Heft 1, sowie mein kürzlich im „Glück
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