Il. INSTRUMENTE DES KAUFMÄNN. KREDITVERKEHRS 69
der Spesenersparung, des geringeren Risikos und der einfacheren
Versendung Devisen vorgezogen; erst wenn ihr Kurs auf Grund
stärkerer Nachfrage über einen bestimmten Kurs, im obigen Bei-
spiel 81-243, steigt, wird es vorteilhafter sein, trotz der höheren
Versendungsspesen Gold zur Zahlung an das Ausland zu verwen-
den, und man bezeichnet deshalb diesen Grenzkurs als Goldexport-
punkt. Umgekehrt wird bei Zahlungen des Auslandes Gold vor-
gezogen werden, wenn der Devisenkurs im obigen Beispiel unter
80-757 sinkt, und daher heißt dieser Grenzkurs der Goldimport-
punkt.
An die Stelle von Gold- oder Goldgeldsendungen tritt bei Gold-
exchangewährungen die Remittierung von Goldwechseln oder -aus-
zahlungen. Ihre Versendungsspesen sind natürlich geringer; da-
durch verringert sich die Spannung zwischen den beiden Gold-
punkten und damit das Ausmaß der möglichen Schwankungen in
den Devisenkursen. Sie wird noch kleiner bei Haltung von Gold-
depots im Auslande.
Die Schwankungen des Devisenkurses sind daher hier beschränkt
auf den Abstand zwischen den beiden Goldpunkten. Anders bei
Ländern, in denen Goldmünzen oder Gold oder Golddevisen nicht
zur Verfügung stehen oder der Export von Gold oder Golddevisen
verboten ist. Dem Steigen oder Fallen der Devisenkurse sind dann
keinerlei Grenzen gezogen, sie werden daher bei andauernd pas-
siver Zahlungsbilanz stetig steigen und bei aktiver Zahlungsbilanz
ebenso fallen“). Dieser Zustand ist während des Weltkrieges und
noch mehr nachher allenthalben eingetreten und bei der Wieder-
aufnahme des internationalen Verkehrs zur folgenschweren Geltung
gekommen. Künstliche Mittel (der Devisenpolitik), die mehr oder we-
niger gesunkenen Devisenkurse der in Verschuldung geratenen Län-
dern wieder zu heben (zu stützen), können nur vorübergehend von
Erfolg begleitet sein, insolange die Zahlungsbilanz dieser Länder
eine passive bleibt. Freilich darf nicht übersehen werden, 'daß diese
Devisenkurse, einmal losgelöst von der realen Grundlage der. Münz-
parität, nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv gewertet wer-
den. Hiebei erfahren wichtige Momente, wie die Höhe des Noten-
umlaufes, der Kredit des Staates, seine künftige wirtschaftliche
4) Maßgebend ist stets das Schuld- und Forderungsverhältnis zum Ge-
samtauslande. Denn der niedrigere Devisenkurs eines Schuldnerlandes wird
sofort zur Folge haben, daß die Forderungen eines Gläubigerlandes mit
Devisen auf das Schuldnerland beglichen werden, wenn deren Kurs im
Gläubigerland nicht ungünstig ist. Daraus ergibt sich eine ständige Aus-
gleichung zwischen den Kursen der einzelnen Devisen. Das jeweils billigste
Zahlungsmittel zu ermitteln, ist Aufgabe der Devisenarbitrage. Voraus-
setzung ist freilich, daß der Devisenverkehr zwischen den einzelnen Ländern
unbehindert ist.