105
Persönlichkeiten mehr oder weniger allgemein sein,
und gemeinsam erfolgen daher die Schritte nach der
Analyse wie nach der Tatsachensammlung — ganz
wie im politischen Leben: Auch da gibt es Leute,
die immer an einer Partei festhalten, wie es geborene
Analytiker und „Historiker“ gibt; aber dazwischen
wogt eine Masse, die sich jeweils vorwiegend der
einen oder vorwiegend der anderen Partei oder Sich
tung anschließt, um dann, eben weil das verlassene
Programm inzwischen Zeit hat neu und lockend zu
werden und weil man wieder „etwas anderes“ haben
will, nach einiger Zeit wieder zurückzuschnellen.
Wohl hat es immer Forscher gegeben, die auf
einer Höhe standen, von der aus sie alles Land rings
um und nicht bloß ein einzelnes Tal überblicken
konnten, die nicht bloß äußerlich und formell — was
so wenig bedeutet — die prinzipielle „Berechtigung“
aller Richtungen erkannten, sondern sich ihnen und
ihren Ideen auch gefühlsmäßig gleich nahe fühlten
und alle wirklich begriffen. Aber sie waren selten und
müssen immer selten bleiben. Auf unserem Felde
ist John St. Mill das glänzendste Beispiel. Er be
herrschte die scheinbar unverträglichsten Strömungen
und ihm blieb es erspart, von irgendeiner weg
geschwemmt zu werden. Seine Werke werden bis
in die fernsten Zeiten Marksteine wissenschaftlicher
Entwicklung, Denkmäler ruhigster Abgeklärtheit und
hohen Sinnes bleiben. Wenige Autoren kann man
so freudig den Werdenden zum Studium empfehlen.
Aber gerade Mill ist auch ein Beispiel dafür, daß
solche Höhe auch ihre Schwächen hat: Eben weil er